Time Machine – In den 60er-Jahren sahen Trikes völlig anders aus als heute. In Hamburg entstand eine Replik auf Harley-Davidson-Softail-Basis.

»Eigentlich finde ich Trikes scheiße.« Erstaunt lausche ich den Erzählungen Fietes, der mir gerade sein neuestes Gefährt erklärt. »Vor allem diese fahrenden Fernsehsessel, wo man nur noch laut rufen muss: Bringt mir jemand ein Stück Kuchen?« Ich kratze mich am Hinterkopf, schließlich stehen wir hier vor seinem … Trike. Fiete sieht meine Ratlosigkeit und beginnt mit der Auflösung. »Doch dann habe ich Fotos aus den 60er-Jahren gesehen. Extrem schmale Dreiräder von Ed Roth und anderen Hot-Rod-Jungs aus den USA mit dicken Harley-Motoren. Die fand ich irgendwie richtig scharf.«

Früher fand er Trikes scheiße – Erbauer Fiete mit seiner Time Machine

Die Entscheidung war gefallen: Auf einmal wollte Fiete ein Trike. Er erstand eine gebrauchte Trike-Achse für Harley-Davidson von VG. Diese kombinierte er mit einem Softail-Rahmen mit brettharten Progressive-Suspension-Federbeinen, in den er einen kräftig überarbeiteten S&S-Motor mit 1570 ccm pflanzte.


Der 96″ -S&S-Motor bringt stramme 1570 ccm

Alte Fotos von Trikes vergangener Tage standen Pate für die »Time Machine«

Er besorgte sich zudem ein Getriebe mit Rückwärtsgang, der über einen eigenen Hebel eingelegt werden kann, wenn zuvor der Leerlauf eingelegt und eine Sperre gelöst wird. Ins Heck montierte er schmale D70-14-Firestone-Oldtimer-Reifen, wie sie gerne für Hot-Rods verwendet werden und die er in den USA bestellt hatte: »Fette Mickey-Thompson-Räder drauf machen wollte ich auf keinen Fall.«

Reifen und Spurbreite sollten schmal bleiben – man soll´s aber noch ordentlich qualmen lassen können

Hohe Rückenlehne, keine Heckfender – Blechmann Tim legte sich in´s Zeug

Immer wieder spürte Fiete neue alte Fotos von Trikes einer vergangenen Epoche auf. Aus zehn der coolsten Dreiräder filterte er die besten Ideen für sein eigenes Projekt heraus. Gemeinsam mit seinem alten Freund Tim erarbeitete er eine Karosserie mit hoher Rückenlehne und ohne Heckfender, die Blechmann Tim dann gekonnt umsetzte. Fiete zeigt auf die gepolsterte Tankattrappe vor dem Lenkkopf: »Ständig quatschen mich die Leute an und lachen: In den Tank ginge ja wohl nur ’ne Milchtüte rein. In Wahrheit befindet sich ein 20-Liter-Tank unterm Body.«


Die gepolsterte Tankatrappe täuscht – getankt wird im Heck

Mit kleinen Details erinnert Fiete an Trike-Größen wie Big Daddy Roth

Bei AME ließ sich der Hamburger extra schmale Gabelbrücken anfertigen, die keramikbeschichtete Auspuffanlage fand er im Programm von Akrapovic. In Rudi von der Custom Garage Hamburg fand Fiete den richtigen Partner für den Zusammenbau der ungewöhnlichen Kreation. Bei Schrammwerk bereitete Schrammi zeitgleich die glimmernde Lackierung mit 3D-Muster vor. Kustom-Artist Ben Drag Daddy aus Michigan hatte zuvor für Fiete eine Zeichnung mit Rat-Fink-Monster im »Big Daddy Roth«-Style angefertigt, die Schrammi nun professionell aufs Heck des Trikes übertrug.

Das Rat-Fink-Monster im »Big Daddy Roth«-Style stammt von Kustom-Artist Ben Drag Daddy aus Michigan

Der Name ist Programm: die »Time Machine« bringt ordentlich 60er-Jahre-Zeitgeist mit

Außerdem erhielt das Softail-Dreirad den Namen »Time Machine«. Dazu Fiete: »Wir haben den Geist der 60er ins Heute übertragen.« Nachdem die Probleme mit der sich permanent übergebenden Benzinpumpe behoben waren, konnte die erste Probefahrt stattfinden. »Saubequem«, lautete der erste freudestrahlende Kommentar. Scheiße findet Fiete Trikes also schon lange nicht mehr. Eher diese ungemütlichen Motorräder, die er sonst immer gefahren ist. Mit ihren starren Rahmenhecks und verkürzten Springergabeln …