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Im Job hilft Marco gestrauchelten Jugendlichen auf die Sprünge, in seiner Freizeit gestrauchelten Motorrädern. Aus einer verunfallten Harley-Davidson Softail baut er sich sein Traummotorrad – und steht damit stellvertretend für viele, die in der Werkstatt all ihr Herzblut lassen.

Es ist pure Begeisterung, die Marco ausstrahlt. Begeisterung für das Thema Motorrad, Begeisterung dafür, etwas mit den eigenen Händen zu bauen, alte Traditionen im Customizing zu pflegen. Marco ist das Paradebeispiel eines Schraubers, der in seiner eigenen Werkstatt seinen Traum lebt.

Moderne Motorräder? Viel Elektrik, ständig neuer Kram

Als gelernter Kfz-Technikmeister hat er freilich einen beruflichen Background – den er in seine Arbeit in einer Ausbildungswerkstätte für Jugendliche investiert, die es nicht leicht im Leben haben. »Das ist oft nicht einfach, aber es ist wichtig, auch ihnen zu helfen, sie aufs Leben vorzubereiten, ihnen überhaupt eine Chance zu geben«, sagt er.

Eines der Details, auf die Erbauer Marco besonders viel Wert legt: Der Abstand vom Fender zum Reifen muss stimmig und nicht zu groß sein, »denn manchmal siehste Karren, da passt da ein ganzer Arm dazwischen …«

In seinem anderen Leben, dem als Herr über seine Werkstatt hilft er auch. »Da schraube ich auch für Bekannte, Lenker- und Heckumbauten, solche Sachen.« Den Traum einer Selbstständigkeit hat er immer mal wieder, »aber mir ist bewusst, wie hart das ist. Zumal sich die Harleyszene verändert hat. Und dann die modernen Motorräder. Viel Elektrik, ständig neuer Kram.«

Harley-Davidson Softail Deuce mit Vergaser

Klar, für einen der schon immer selbst schleift, schweißt und dengelt, »weil wir das halt im Dorf so gemacht haben, wir sind damit aufgewachsen, die Dinge selbst zu machen«, ist es merkwürdig, ein Motorrad an einen Computer zu hängen, anstatt mit Werkzeug nach dem Fehler zu suchen. Auch deshalb ist ein Vergasermodell wichtig für Marco. Seine Softail Deuce, Baujahr 2004, war das letzte ihrer Reihe.

Im Jahr 2004 liefen die letzten Softail-Deuce als Vergasermodelle vom Band. Ein kaufentscheidender Punkt für so manchen Schrauber, der allzu lästige Elektroniksorgen umgehen möchte

Als Unfallmaschine hat er das Bike aus den USA gekauft, so ziemlich alles daran ist kaputt. Aber die DEKRA bescheinigt in einem Gutachten, dass der Rahmen völlig in Ordnung ist, wichtiger Baustein für den Umbau, der später ja legal gefahren werden soll. Auf einen Winter setzt er sein Projekt an, besorgt sich die benötigten Teile. Einfach ranschrauben ist trotzdem nicht. »Ich achte auf die kleinen Details, denn die machen im Gesamtbild am Ende den Unterschied.«

Die Harley-Davidson Softail ist hinten fünf Zentimeter tieferlegt

Es liegt Marco am Herzen, was er uns erzählt, auch wenn er sagt, »dass es wichtig ist, sich die Finger schmutzig zu machen.« Sein Bike bestätigt das. Der Tankhalter musste verlängert und geändert werden, damit er im Vorderbereich zwei Zentimeter höher liegt. Die Schutzbleche sind aus Rohlingen selbst gebaut, alle Halterungen inklusive. Der Abstand von Fender zu Reifen passt, »es gibt manchmal Umbauten, da kannst du deinen Arm da dazwischen kriegen, nicht mein Ding«, schmunzelt der Korbacher, der seine Harley-Davidson Softail hinten in Eigenregie fünf Zentimeter tieferlegte.

»Schweißen, schleifen, Dengeln: Ich bin damit aufgewachsen, die Dinge selbst zu bauen. Das war auf dem Dorf einfach so üblich und wurde nie anders gemacht.«

Die Kabel hat er sauber in den Bonanza-Lenker verlegt. Halterungen für Sitzbank oder die Mini-Blinker komplett selbst gefertigt. Alle Teile lackiert er zudem persönlich, die Harley-Aufkleber auf dem Tank werden seitlich »einlackiert«, also mit Klarlack haltbar gemacht. Vier Monate arbeitet Marco an seinem Motorrad, Anfang März gibt es die erste Probefahrt. Seitdem hat er immer wieder Dinge verändert, fertig ist er noch nicht. »Ich steh auf Jesse James und damit auch auf Apehanger.« Die nächste Umbaustufe ist also klar, »hoch die Hände«, sagt Marco.

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.