Präzise und zielstrebig baut sich Stefan sein Wunschmotorrad. Kein Wunder, dass seine Evo Softail nicht erst auf den zweiten Blick überzeugt

Evo-Softails eignen sich bestens für den Bobber-Stil

Stefan ist ein Typ, der nichts dem Zufall überlässt. Pläne schmiedend und das Ruder fest in den Händen haltend, baut er sich beispielsweise selbst eine Mini-CNC-Fräsmaschine für die eigene Werkstatt, nachdem er sowas mal auf YouTube gesehen hat. Und ohne entsprechende Vorkenntnisse brachte er sich auch das Programmieren selbst bei. Beruflich wie privat ist Stefan äußerst zielstrebend – ein smarter Kerl eben, auch beim Aufbau seiner Mopeds. Bewusst oder unbewusst wie ein Manager agierend, sowas liegt im Blut, man kann es aber auch erlernen. Bei internationalen Produktionsfirmen der Industrie wird heute mit s.m.a.r.t.-Zielen gearbeitet. Smart steht für specific, measurable, accepted, reasonable and time-framed. Wir können das in Deutsch mit spezifisch, messbar, akzeptierbar, realistisch und terminiert übersetzen.

Stefan Fiedler Harley

Spezifizierbare Wünsche und messbare Ergebnisse

Auch Stefan definierte also seine Ziele smart: Was er vorhatte, war kein vager Wunsch, sondern von ihm spezifisch, also präzise und eindeutig fixiert. Er hatte eine 1989er Softail ins Haus bekommen und die musste umgebaut werden. Messbar tiefer und sichtlich schmaler sollte sie werden. Er wollte das Motorrad ja für sich bauen, da brauchte er nur zu akzeptieren, was für ihn selbst attraktiv war.


Die Fußrastenanlage kratzt – aber erst spät weil höher angebaut

Das Bild des Bikes hatte er fertig im Kopf: Flach und reduziert! Er freute sich schon darauf, die Flex in die Hand zu nehmen und die Fenderstruts zu kappen. Mitschwingend sollte das hintere Kotflügelchen befestigt sein, ganz knapp am Reifen und dessen Konturen folgend. Martin von MB Cycles hatte da noch einen etwas verbogenen Rest herumliegen, der nur nach einer ruhigen Hand und entsprechendem Blechwerkzeug zum Richten verlangte.

Akzeptieren, was zu erledigen ist

Der Cole-Foster-Tank war zwar neu, brauchte aber trotzdem etwas Nacharbeit. Für einen Tank in dieser Preisklasse war er nicht gerade super verarbeitet. Freund Chiko in Pforzheim durfte den Tank und den Schutzblechstummel lackieren. Von seinem Mannheimer Freund Markus kaufte Stefan Felgen und den 2-Zoll-Belt. Wenige kleinere Teile wurden per eBay geordert. Der Rest kam von einschlägigen Harley- und Customshops rund um Stefans Heimat Hockenheim. Die hatten entsprechende Teile vor Ort, die es ohne Versandkosten zu kaufen gab. Schließlich ist er ein Part dieser Gruppe im Rhein-Neckar-Raum, fertigt selbst Customteile und trifft sich hin und wieder mit der Bunch zu gemeinsamen Runs. Der zöllige Sportsterlenker trägt jetzt angepasste Honda-Handarmaturen. Auch die günstig erstandenen Sportster-Gabelbrücken bearbeitete Stefan für die Aufnahme gekürzter Deuce-Standrohre selbst. Sportster-Gussräder waren angedacht – und auch schon gekauft – als auffiel, dass das vordere Rad und die Bremse gar nicht mehr zwischen die massiveren Deuce-Tauchrohre passen wollten.


Stefan Fiedler Harley

Die Realisierung vorantreiben

Das Rad brauchte also im Bereich der Lagerstellen und der Bremsscheibenanlage eine Verschmälerungskur. Nur Simon von South West Custombikes in Mannheim konnte sofort helfen. An seiner Drehmaschine ist das Bett teilweise herausnehmbar. Somit ist er fähig, auch Teile mit größerem Durchmesser – in diesem Fall ein 19“-Gussrad mit 483 mm Höhe – zu spannen und zu bearbeiten. Stefan ist realistisch genug zu wissen: Hochgesteckte Ziele fordern uns nur. Eventuell auftretende, unerwartete Probleme brauchen keine unüberwindbaren Hindernisse zu bleiben. Wem eigene Fähigkeiten oder der entsprechende Maschinenpark fehlen, findet sicherlich einen Bekannten, der helfen wird, oder der jemanden kennt, der dazu fähig ist. Stefan weiß aber auch, dass gesteckte Ziele erreichbar bleiben müssen. Zu viele Widerstände legen die Motivation lahm.

Die Hände müssen tief greifen, der Lenker ist sportlich gekröpft

Terminiertes Ergebnis

Der Termin, also bis wann das Ergebnis erreicht sein muss, ist die entscheidende Marke eines echten Zieles. Die Fertigstellung von Stefans Slicker war mit drei Monaten sehr knapp kalkuliert. Trotzdem, und wahrscheinlich gerade weil er keine exotischen Teile verbaute und nur mit Freunden zusammenarbeitete, war der Autodidakt nach zwei Monaten mit seinem Umbau fertig. Wir finden das clever … und smart.


Info: www.sf-parts.eu