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Bram weiß viel über schönes Design, Ruben weiß viel über schöne Motorräder – das Zusammentreffen der beiden Holländer konnte nur gut enden. Ihre Harley-Davidson Shovelhead im Starrrahmen wird gekrönt von einer Blattfedergabel.

»Clean, schlank, irgendwie roh – und ein bisschen BMX-Style vielleicht«, was unentschlossen klingt, manifestiert sich schnell in klaren Vorstellungen von der perfekten, weil etwas anderen Oldschool-Harley. Es ist Brams Job, von ungefähren Ideen zielgerichtet zu konkreten Entwürfen zu kommen, der Mann arbeitet in der Werbebranche. Deshalb auch das Wissen um gutes Design, nur schrauben, das kann er nicht.

»In meinem Kopf dreht sich alles um  Oldschool und Starrrahmen«

Schon zu Beginn seiner Motorradkarriere war er eine modifizierte Triumph T120 gefahren – sehr schön zwar, aber eben nicht dem eigenen Kopf entsprungen, »und mit etwas zu wenig Power«, wie Bram gesteht. Und so wächst ein Entwurf, der den eigenen Vorstellungen entspricht. Was es im Grundsatz werden wird, steht dabei außer Frage: »Ich mag auch andere Motorräder und finde es klasse, wenn jemand mit voller Leidenschaft was Cooles zusammenbringt. Aber in meinem Kopf dreht sich alles um  Oldschool und Starrrahmen.«

Normaler Oldschool sollte es nicht werden, Minimum ein Teil musste etwas Besonderes, nicht zu oft Gesehenes werden. So entscheiden sich Customizer und Kunde für die Verwendung der Cannonball-Battfedergabel, die das Frontend zum Hingucker macht

Seinen Meister findet Bram in Ruben Seger, Chef seiner eigenen Firma »Wing Palace« und vor allem mit einem Detail in der europäischen Szene bekannt geworden, seinen Wing-Motoren. Das Prinzip der Early-Shovelhead-Motoren, versehen mit Knuckle-Style-Köpfen, hatte Ruben schon vor einigen Jahren für seinen eigenen Bobber entwickelt und seitdem in mehreren Motorrädern verbaut. Die Vorteile liegen auf der Hand: Originale Knucklehead-Motoren sind extrem hübsch, aber für Normalmenschen eben auch fast unerschwinglich geworden.

Harley-Davidson Shovelhead mit dem Plus an Zuverlässigkeit

Außerdem bietet der Shovel einfach ein Plus an Zuverlässigkeit – zumal wenn er wie hier ein S&S-Klon ist. Auch für Bram war deshalb klar, dass es genau solch ein Motor sein würde. Nur das Drumherum, das war im wahrsten Sinne des Wortes in diesem Moment noch eine Kopfgeburt. Eine an manchen Ecken ziemlich krude, wie er selbst zugibt. Doch der Customizer ist zur Stelle, die Flausen auszutreiben. »In langen Gesprächen, manchmal mit ein, zwei Bier dabei, haben wir alles besprochen.

Die Suche nach dem passenden Öltank gestaltete sich etwas schwieriger. Bei Crime Scene Choppers, die sich mit ihren gefinnten Teilen schon länger einen Namen gemacht haben, wurde Bram schließlich fündig

Ruben war wie mein Sparringspartner und brachte mich wieder auf den Boden, wenn meine Ideen doch etwas zu verrückt waren«, erinnert sich Bram. Trotzdem, ein bisschen was Extravagantes durfte schon sein – und so fällt das Motorrad optisch extrem frontlastig aus. Eine normale Springergabel genügte Bram nämlich nicht, vielmehr sollte es eine Blattfedergabel sein. Die verhalf zu Urzeiten schon den Indians zur Berühmtheit, da würde sie an einer Harley dreimal gut kommen. In Verbindung mit dem Apehanger und den Mid Controls, beides von Ruben selbst gefertigt, ist außerdem eine recht ordentliche Sitzhaltung gewährleistet.

Harley-Davidson Shovelhead mit klassischen Firestones

Sowohl das Vorder- als auch das Hinterrad sind 16 Zoll groß und mit klassischen Firestone-Reifen besohlt. Die vordere Trommel kommt aus einer Panhead, die hintere ist eine frühere Shovel-Trommel, die hydraulisch betätigt wird. Der Tank kommt von Cole Foster aus den USA und auch der gerippte Wunsch-Öltank wird irgendwann gefunden, bei den US-Boys von Crime Scene Choppers.

»Ich mag auch andere Motorräder und finde es klasse, wenn jemand mit voller Leidenschaft was Cooles zusammenbringt. Aber in meinem Kopf dreht sich alles um Harley – und um Starrrahmen«

Der Heckfender, der von Easy Riders aus Japan stammt, bildet eine schöne Symbiose mit den handgearbeiteten Fenderstruts. Wie an anderen Stellen auch, kommt an ihnen Messing als subtiles Designelement ins Spiel, »ein bisschen Vintage sollte das Ganze halt sein, aber ohne zu übertreiben«, erzählt Ruben. So findet das Rücklicht eines Model-A-Fords seinen Platz, die Zündkerzenkabel sind mit Baumwolle umwickelt. Kleine Details, die die Sache rund machen.

Eine Schachtel Moods-Zigarrillos als Inspiration für die Lackierung

Und war auch alles andere mehr oder weniger im Kopf des Besitzers entstanden, so lieferte eine ungewöhnliche Quelle die Vorlage für die Lackierung. »eine Schachtel Moods-Zigarrillos! Dunkelrot mit Text in goldenen Buchstaben mit weißem Nadelstreifen«, erklärt Bram seine Inspiration. »Nur etwas teuer war die Farbe«, lacht er, »ich habe quasi jedes Mal einen Strafzettel für zu schnelles Fahren kassiert, wenn ich zum Lackierer gesprintet bin.« Angesichts des Ergebnisses zu verschmerzen.

Info | wingpalace.nl

 

Floris Velthuis