Seit 15 Jahren ist die Harley Shovel in Daniels Besitz, den ganz großen Auftritt gibt es aber erst jetzt und nach langer Anlaufzeit.

Als Wrack habe ich sie gekauft und lange eher stiefmütterlich behandelt«, erzählt Daniel. Klar, er hatte die Shovel fahrbar gemacht, über die Jahre auch immer das Nötige geflickt. Aber schön, das war sie eigentlich nicht. Es war also mehr als an der Zeit, der alten Lady auf die Sprünge zu helfen. Dass außer einem Oldschool-Umbau nichts in Frage kam, ist Daniels Liebe zu alten Harleys geschuldet, »die neuen, ganz ehrlich, damit kann ich wenig anfangen. Den vielzitierten Mythos verkörpern die für mich einfach nicht mehr.« Es ist Daniel bewusst, dass sein Aufbau den Zeitgeist trifft, »viele Harleys werden in dem Stil aufgebaut, da bin ich nicht der Einzige.« Umso wichtiger, sauber zu arbeiten – und zumindest ein Stück weit regelkonform, um auch fahren zu können, ohne jederzeit den strengen österreichischen TÜV im Nacken zu haben. So verzichtet Daniel auch auf einen Starrrahmen und setzt auf ordentliche Bremsen.


Dass die Shovelhead so regelkonform wie möglich umgebaut werden sollte, stand sowieso schon im Vorfeld fest

Bevor es an die Optik der Harley geht, sind Motor und Getriebe dran. Aufmachen, überarbeiten, ersetzen, das alte Spiel. Daniel spendiert neue Wiseco-Kolben, dazu gibt es ein komplett neues Ölsystem. Der Auspuff wird im Heimatland von BSL geordert und anschließend für den Einbau modifiziert. Wie überhaupt fast alle Teile. Daniel ist keiner von denen, die zwingend aber auch alles selbermachen müssen. »Motor, Vergaser und Zündanlage sind jetzt quasi wieder auf dem Stand, wie das Bike 1973 ausgeliefert wurde«, beschreibt er seinen Weg. Gute Teile kaufen und so lange anpassen und modifizieren, bis sie ins Konzept passen – der liebste Weg, den der Österreicher geht. Das Ganze gemixt mit ein paar selbstgebauten Parts, das haut für ihn bestens hin.

Gerade weil viele Chopper fahren, ist sauberes Arbeiten wichtig, um aus der breiten Masse herauszustechen

Der Rahmen bleibt weitgehend unangetastet, lediglich das Heckteil wird angepasst, ein Eigenbau-Fender montiert, stilecht mit halbhoher Sissybar, das Rücklicht zwischen den Streben platziert. Gefedert wird im Heck progressiv, der Firestone dreht authentisch auf einer 16-Zoll-Harley-Felge. Hinten wie vorn sind gute PM-Bremsen montiert, die Scheiben mit der Indian-Larry-Symbolik sind ein Tribut an den Chopper-Schamanen. »Bis vor ein paar Jahren gabs die noch genau so zu kaufen. Da hab ich zugeschlagen«, erzählt Daniel. Vorn bleibt es ebenso oldschoolig, eine Springergabel ist Pflicht, die Gabelbrücken werden selbstgedengelt, ein Apehanger lässt hoch greifen. Ansonsten fehlt nicht mehr viel zum fertigen Chopper, gute Armaturen, stilechte Fußrasten – Mid Controls, was sonst – Sportstertank und Biltwell-Federsitz, mehr braucht es nicht für ein stimmiges Gesamtbild. Außer vielleicht noch eine Lackierung, und die ist durchaus eine kleine Ansage. AMF-Lackierungen sind zwar hip und im Trend, ein historisches Debakel war die AMF-Ära für Harley-Davidson aber nunmal trotzdem. »Danach hat Harley viel Reiz verloren«, sagt Daniel, »immer ging die Company gegen die kleinen Schrauber, der Spruch »Fuck the factory« kommt ja nicht von ungefähr.« Und so lässt er seine Lackierung, ausgeführt vom Vorarlberger Kescha Platanow, auf dem Kopf stehen, was sie nicht minder lässig macht.