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Vier professionelle Customshops schließen sich zusammen und bauen eine herrlich klassische Harley-Davidson Shovelhead. Finden wir gut und wünschen uns mehr solcher Kooperationen. 

Den Aufbau eines Motorrades live zu verfolgen, hat einen gewissen Reiz. Während normalerweise hinter verschlossenen Türen geschraubt wird, bieten Build-Offs und Co. einmalige Möglichkeiten, Profis bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Wenn dann noch ein paar Experten zusammen ein Bike wie aus einem Guss bauen, ist das noch mal spektakulärer.

Die Harley-Davidson Shovelhead war ein Live-Aufbau

»Bikebuilders to the Bone« nennt sich das Team, das die Besucher der letztjährigen Bigtwin-Show in Holland mit dem Live-Aufbau dieser Harley Shovelhead überraschte. Das Team, bestehend aus den holländischen Shops Back Corner Custom Bikes, Roadside Repair Shop, Miller Seats und Small Town Customs, wollte die individuellen Kräfte jedes Einzelnen bündeln. Der Nutznießer aus diesem Projekt heißt Rogier, seine Shovel ist nämlich das Ergebnis aus dem ungewöhnlichen Zusammenschluss.

Nach Ausflügen auf Honda CB, Suzuki Intruder und GSX-R stand der Entschluss fest: Endlich eine Harley, am liebsten einen Chopper mit Frisco-Tank, Sissybar und allem, was sonst noch dazu gehört

Seit er achtzehn Jahre alt ist fährt Rogier Motorrad. Erst eine Honda CB 550, die bald zu einem Cafe Racer umgebaut wird. Später eine Suzuki Intruder, tiefergelegt und mit fettem Tank. Aus dieser Zeit stammt auch Rogiers Kontakt zu René Groot Wassink von Back Corner Custom Bikes (BCCB), der auch ein paar Arbeiten an der Suzuki übernommen hatte. Bevor die zwei jedoch wieder zusammenfinden sollten, probiert Rogier es noch mit einer Suzuki GSX-R, bevor für ihn endgültig feststeht: »Ich will Harley fahren.«

Die ersten Schritte Richtung Oldschool sind getan

Rogier kauft eine Custom-Fat-Bob, der Kontakt zu René flammt wieder auf. Der Customizer baut den dicken Eimer um, versieht ihn mit einer Springergabel, die ersten Schritte Richtung Oldschool sind damit getan. Trotzdem, irgendwie fühlt sich das noch nicht richtig an. Rogiers Freundin gibt schließlich den entscheidenden Impuls: »Willst du nicht mal ein Motorrad fahren, dass von Grund auf neu aufgebaut ist?«

Das enge, starre Heckteil wurde bei VG Motorcycles gestaltet und gebaut, die Sissybar selbst gebaut

Das war die Initialzündung. Drei Tage später steht die Fat Bob zum Verkauf und Rogier erzählt René von seinem Plan – mit einer sehr klaren Vorstellung im Kopf. »Ein Chopper mit Frisco-Tank und Sissybar, eine Shovelhead als Basis.« Und weil René quasi zum selben Zeitpunkt gebeten wird, auf der BigTwin-Messe live umzubauen, nimmt der Umbau schneller Fahrt auf, als Rogier Oldschool sagen kann.

Harley-Davidson Shovelhead im Build-Off

»In drei Tagen ein Bike bauen ist eine ziemlich heftige Herausforderung«, erinnert sich René. »Klar, dass man im Vorfeld etwas mehr darüber nachdenken sollte. Genauso wie die Vorbereitungsarbeiten sehr exakt ausgeführt sein müssen, damit beim eigentlichen Build-Off dann auch wirklich nichts verrutscht.« Trotzdem sollte der Großteil des Aufbaus auf der Show erfolgen.

Ohne die Hilfe seiner Freunde und Kollegen hätte René (vorn kniend) den Aufbau der Shovel nicht wie geplant geschafft. Eine Name für die illustre Runde war schnell gefunden, weitere gemeinsame Projekte nicht ausgeschlossen

Weil der Customizer daher auf Nummer sicher gehen will, holt er sich Hilfe ins Boot, professionelle Typen mit klaren Spezialgebieten – das Projekt »Bikebuilders to the Bone« ist geboren. Dennis (Small Town Customs) würde sich um Motor und Getriebe kümmern, Wouter (Roadside Repair Shop) war dagegen der Herrscher über alle benötigten Parts, verwaltete quasi die Teileliste und sorgte dafür, dass alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und Marcel (Miller Seats) würde die gewünschte Sissybar liefern. 

Aus uns vorbei – Der Shovel werkelt nicht mehr im Schwingrahmen

Nach dem Kauf des Basisbikes, einer Shovel im Schwingrahmen, können die Vorbereitungen beginnen. Der Plan eines engen, starren Heckteils macht weitere Expertenhilfe notwendig. In Form von VG Motorcycles findet sich die zum Glück im eigenen Land, hier kennt man sich mit Fahrwerksteilen, gerade im klassischen Choppersegment, gut aus. Einen Tag verbringt René bei VG, wo das neue Heckteil montiert wird.

Der Öltank trägt das 2-%-Logo. Insider wissen, was es bedeutet: Nur zwei Prozent aller Motorradfahrer bauen und fahren ihre Chopper selbst

Damit später beim Live-Aufbau die Arbeit überschaubar bleibt und nur wenige Halterungen an den Rahmen geschweißt werden müssen, werden unnötige Stellen gecleant, andere fürs Schweißen markiert. Auch die Gabel für die Shovel steht schnell fest, »dDie I-Beam von Kruyswater ist eine der schönsten Springergabeln, die es aktuell so gibt«, schwärmt René.

Die Räder haben klassische Chopper-Dimensionen

Im Zusammenspiel mit dem 16-Zoll-Rad vorn und dem 21er hinten steht das Fahrwerk und damit die Linie des Motorrades fest. Viel mehr gibt es nicht mehr zu tun – Wouter hat alle noch benötigten Teile besorgt, Motor und Getriebe sollen vor Ort umgebaut werden. Die Party kann beginnen.

Die Auspuffanlage wird zum Meisterstück, schlängelt sich passgenau um Motor und Getriebe

Bewaffnet mit einem Schweißgerät, dem Winkelschleifer, allerlei Werkzeug, sowie einer Löschdecke und Feuerlöschern – »wir wollten die Messe ja nun nicht abfackeln« – geht es für die Jungs zum Build-Off. Dennis versieht den Shovelhead-Motor vor Ort mit einem Kickerkit, montiert Vergaser und Luftfilter und den geilen, vorbereiteten Auspuff.

Harley-Davidson Shovelhead – Die Sissybar ist Pflicht

Zwischen Schleif- und Schweißgewalt hockt währenddessen Marcel und baut seine Sitzbank samt Polsterarbeiten vor den Augen des Publikums. Der modifizierte Tank und der kurze Fender werden montiert. Auch sie tragen zum schlanken, kompakten Look bei. Die im Vorfeld gestaltete Sissybar ist sowieso Pflicht. 

Der Bau der Shovelhead vereinte einige der derzeit besten holländischen Customizer an einem Projekt. Nur die Lackierung kam aus dem Nachbarland – der Belgier »El Guero« durfte sie auftragen

Überraschend kommt außerdem auch Hilfe von anderen Ausstellern. Ricky de Haas von »Wannabe Choppers« aus Deutschland bietet an, live und direkt ein paar Aluteile fürs Shovel-Projekt zu gießen. Starthebel und Tankverschluss entstehen so. Oder Kumpel Barrie, der einen Schädel aus einem Schlüsselring anschleppte, der seinen Platz an der Sissybar findet. Auch Besitzer Rogier ist beeindruckt von so viel Hilfsbereitschaft.

Die Harley-Davidson Shovelhead sprang sofort an

»Die drei Messetage haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Nicht nur wegen der vielen Frikandeln und Hühnchenflügel, die wir dort gegessen haben. Oder weil sie uns jeden Abend aus der Halle werfen mussten«, lacht er. »Vielmehr sind dort echte Freundschaften entstanden. Und nebenbei ein Motorrad, das am letzten Messetag sofort ansprang und auf der Bühne gezeigt wurde.« 

Die Sitzbank wurde von Hollands Nummer-eins-Sattler Marcel Miller gestaltet

Nur eine Aufgabe bleibt dem stolzen Besitzer nach dieser Sause noch – er muss über eine passende Lackierung nachdenken. »Alle Jungs, die an meinem Motorrad gebaut haben, kommen aus Achterhoek, einer niederländischen Provinz. Daher entschied er sich für die grüne Flagge der Region als Grundthema. Der belgische Lackierer El Guero darf den Lackwunsch umsetzen – und wird am Ende so ziemlich der einzige Nicht-Holländer sein, der hier seine Finger im Spiel hatte.

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