Artikel speichern

0

Dieser Harley-Davidson Shovelhead steckte einst in einer FLH. Als Antrieb für einen sauberen Starrrahmen-Chopper macht er sich aber noch viel besser … 

Giel und Peter sind Freunde. Jeden Donnerstagabend sitzen sie in Giels Werkstatt, es gibt Pommes Frites und eine Tasse Kaffee, bevor sie mit der Arbeit beginnen. »In unsere Garage kommen immer viele Leute. Sie hängen rum, quatschen viel, daddeln auf ihren Handys – aber natürlich dreht sich am Ende alles um Motorräder. Dabei ist unsere Werkstatt nicht nur ein Ort, an dem die Leute Spaß haben, hier wird durchaus hart gearbeitet«, die Männer erklären uns ihr Universum. Und bei den vielen Leuten, die regelmäßig vorbeischauen, gibt es dann doch einige, die einfach nur geil aufs Umbauen sind, Giel und Peter vorneweg.

Harley-Davidson Shovelhead – Die To-do-Liste wird immer länger

Mittlerweile stapeln sich die Bikes bei ihnen, sie helfen gern, bauen nicht nur an eigenen Projekten. Da ist zum Beispiel der Deutsche, wie sie ihn hier nennen. Er hat sich gerade eine Shovel gekauft, die schon die halbe Welt gesehen hat. »Und sehr viel Zuwendung brauchen wird«, wie Peter sagt. »Die To-do-Liste wird immer länger und wir grübeln und schrauben hier oft bis spät in die Nacht.« Community-Garagen nennt man das, was Giel und Peter haben, heute im neumodischen Custom-Jargon und man feiert es, vor allem in den USA, als wäre es der neue große Shit. Dabei sind Jungs wie die hier schon ewig dabei. Ihre persönlichen Bikes können davon ein Lied singen.

Ein schlanker, sauberer Chopper war nach vielen groben Umbauten ein Herzenswunsch, der Harley Shovelhead bietet dafür immer noch eine perfekte Basis. Verbaut wurde er hier im Guss-Starrrahmen von VG Motorcycles

In seinem Berufsleben ist Giel modern unterwegs. Er besitzt eine Firma zur Herstellung von Metallformen, vollgestopft mit den besten CNC-Fräsmaschinen. Privat schätzt er dagegen Handarbeit, liebt den alten Look, die einfache Technik. »Und motorradmäßig gibt’s doch sowieso nix Besseres als eine alte Pan oder Shovel. Eine moderne Harley ohne Kickstarter, das ist doch was für Mädchen«, grinst er. Und so ist Giels Shovel ein nackter, extrem minimalistischer Chopper, als Vorbild dienen die US-Custombikes der sechziger Jahre.

Harley-Davidson Shovelhead – Herzenswunsch-Chopper

Basis der Shovel ist ein Starrrahmen mit schönen Gussarbeiten von VG, das Vorbild ist ein anderes. Inspiriert wurde Giel von einer Shovel, die Jeff Cochran gebaut hatte, Fotos davon hingen während des Aufbaus überall in der Werkstatt. Nach einigen Bobber-Projekten, rau und mit sichtbaren Schweißnähten, war der schlanke, cleane Chopper ein Herzenswunsch.

Fettes Setting: Da Giel auf eine Vorderradbremse verzichtet, muss es wenigstens im Heck vernünftig stoppen. Da gibt’s dann Doppelscheibe mit dicken Sätteln und zwei getrennten Bremskreisläufen, die per Hand und Fuß bedient werden können

Sein Basisbike findet der Holländer in Deutschland, eine Early Shovel mit perfekt laufendem Motor. Nicht im angestrebten Frisco-Stil, aber doch sehr schön und in top Zustand. Nicht wenige erklärten Giel für verrückt, weil er das Ding direkt nachdem es die niederländische Zulassung hat komplett auseinandernimmt und den V2 in den neuen Rahmen stopft. Giel entscheidet sich außerdem, einen hoch montierten Paughco-Tank zu verwenden, an den er selbst gefräste Halterungen anpasst. Der Öltank wird aus einem vollen Aluminiumblock gefräst. Giel fertigt den Auspuff per Hand, ebenso wie die Motorhalterungen und den Nummernschildhalter. Die S-förmigen Fenderstruts sehen wirklich einzigartig aus.

Das Bremsen-Setting im Heck ist vielleicht zu wuchtig

Im Geiste der 60er Jahre wird außerdem ein Zwölf-Zoll-Apehanger montiert. Dazu punkten kleine Details. So werden die Teile zum Beispiel nicht verchromt, sondern vernickelt. Auch das Logo auf dem Tank wird selbst erdacht, basierend auf alten Harley-Tanklogos. Wer genau hinschaut, dem mag lediglich das Bremsen-Setting im Heck zu wuchtig erscheinen, Giel erklärt: »Da ich keine Vorderbremse habe, muss die hinten quasi doppelte Arbeit leisten.« In den USA ersteht Giel zwei Wilwood-Bremssättel, dazu benutzt er das Setup des Cochran-Vorbildbikes: Zwei Krallen auf einer Scheibe, zwei getrennte Bremskreisläufe. Der eine wird mit dem Fuß bedient, der andere per Hand. »So stoppt das Bike perfekt … also, so lange ich keine Vollbremsung machen muss.«

Das sieht bei Peters Harley etwas anders aus …

Peters Flat-Track-Bobber stellen wir Euch in der Fortsetzung unter Back to Basic Teil 2 vor …