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Langstreckenkomfort mit einem Starrrahmen – nicht unmöglich, wie Richard mit seiner Harley-Davidson Panhead beweist.

Unter professionellen Customizern ist es nicht unüblich, dass sie selbst kaum Zeit zum Fahren haben. Auf Richard Vink, Inhaber von Greasemonkey Choppers, trifft das nicht zu. Obwohl er ständig unter Bergen von Arbeit ächzt, nimmt er sich auch immer wieder Zeit für seine eigentliche Leidenschaft, das Fahren. Dabei liebt er kaum etwas mehr, als auf seiner Panhead ein paar Meilen abzureißen. Wobei als Antrieb kein »echtes« Harley-Aggregat, sondern ein Klon von S&S dient.

Harley-Davidson Panhead als Kurzstreckenkiste

Schon 2009 hatte er das Bike unter dem Namen »Grey Fellow« gebaut, damals mit kleinem Peanut-Tank und Apehanger als agiles City-Motorrad. Über die Jahre stellte sich aber heraus, dass die Kiste auch nur auf kurzen Strecken wirklich funktionierte. Nach einem extrem kräftezehrenden Trip an den Faaker See sehnte Richard sich nach dem Komfort seiner Street Gilde. Außerdem hatte er sich an dem schlichten Mausgrau einfach sattgesehen – Zeit für ein bisschen Nacharbeit. »Ich wollte das Ding einfach etwas praktischer haben«, erklärt Richard.

Um seine Panhead auch auf längeren Trips genießen zu können, legte Richard noch einmal Hand an und verwandelte den ehemals mausgrauen Chopper in ein Roadtrip-taugliches Bike

»Praktischer?«, fragen wir. »Na ja, in der Customszene wird oft vergessen, dass ein Motorrad eigentlich zum Fahren da ist. Wir sehen regelmäßig Showbikes, die so extrem sind, dass sie de facto nur als Demonstration des technisch Umsetzbaren dienen können. Daran ist ja auch grundsätzlich nichts Falsches, auch ich sehe gern, wie Customizer völlig durchdrehen und die abgefahrensten Konstruktionen präsentieren. Aber wie cool ist ein Bike mit geiler Optik, das dabei auch noch für Roadtrips taugt?«, erklärt der Holländer.

Harley-Davidson Panhead – Fat-Bar statt Apehanger

Einen Kompromiss geht Richard beim erneuten Umbau nicht ein. Der Motor passt dermaßen gut mit dem Starrrahmen von »MotoXCycles« aus Kanada zusammen, dass er beide nicht trennen will. Eine Frischzellenkur darf trotzdem sein. Er zerlegt die Maschine in ihre Einzelteile und fängt ganz von vorn an. Als Erstes muss der Apehanger weg, stattdessen gibt es einen bequemen Fat-Bar-Lenker.

Der Sattel übernimmt im Zusammenspiel mit einem Dämpfer und der nötigen Umlenkung die für den Komfort erforderliche Federung

Die Fußrasten werden durch große Trittbretter ersetzt. Der winzige Tank weicht für das modifizierte Spritgefäß einer Softail – endlich nicht mehr alle paar Kilometer tanken. Statt des kippeligen 21-Zöllers unterstreicht ein neues 18-Zoll-Vorderrad den angestrebten Bobberlook.

Der Tankinhalt wird von einer LED-Ampel angezeigt

Um im modernen Straßenverkehr mitzuschwimmen, sind Beleuchtungseinrichtungen und Spiegel diesmal obligatorisch. Doch keine Angst, das zweigeteilte Rücklicht unter dem Sattel ist bestimmt alles andere als aufdringlich. Kleines technisches Highlight: Der Tankinhalt wird von einer LED-Ampel in den Deckeln angezeigt. Das Heck blieb zwar starr, der Sattel jedoch wird jetzt von einer voll einstellbaren Dämpfereinheit aus dem Mountainbike-Bereich gestützt.

»Ich habe die Maschine nicht nur gebaut, dass sie mich und mein Zelt zu Bikeshows bringt, sondern auch, um hier und da einen Pokal mit nach Hause zu nehmen.«

Den Sitz fertigte Milla Skedeback von MS Leather aus dem gleichen Stück Leder, aus dem sie auch die Satteltasche nähte. Ein bisschen Platz für Zusatzgepäck kann nicht schaden. »Denn immerhin, ich habe die Maschine ja nicht nur gebaut, damit sie mich und mein Zelt zu Bikeshows bringt, sondern auch, um mal hier und da einen Pokal mit nach Hause zu nehmen.« Ausgetestet wurde das direkt auf der ersten Ausfahrt, 500 Kilometer ging es zu einer Bikeshow nach Deutschland. Und dass so ein Pokal prima in die Satteltasche passt, war danach auch geklärt.

Floris Velthuis