Artikel speichern

0

Die Zeit für den Bau dieses Harley-Davidson Panhead-Choppers war knapp bemessen. Gut, dass James alle Teile schon in der Werkstatt liegen hatte, als er mit der Arbeit begann.

Manchmal siegt die Vernunft. So wollte James eigentlich eine Knucklehead bauen, aber die werden einem derzeit nunmal nicht hinterhergeworfen. Und für das Geld, das der geneigte Umbauer in eine Knuckle investieren müsste, kann man sich auch mal eben zwei andere Harleys bauen.

Harley-Davidson Panhead – Kreide und Käse

James hatte dabei zwei völlig verschiedene Konzepte im Sinn: Einmal einen kompletten Fulldresser, beladener als ein thailändischer TukTuk-Fahrer und mit allem Tamtam, und auf der anderen Seite einen völlig gestrippten und leichtgewichtigen Chopper, »Ying und Yang, Schwarz und Weiß, Kreide und Käse«, wenn ihr versteht, was ich meine. Projekt zwei, eine reduzierte Panhead, seht ihr hier.

Bescheidenens Wellness-Programm: Für die volle Ladung Komfort sorgt der gefederte Solosattel

James’ Kumpel Frank hatte eigentlich vor, den Motor niemals zu verkaufen, James’ hartnäckigem Drängen konnte er letztlich nicht widerstehen. Gut, dass alle anderen Teile für den Aufbau bereits in der Werkstatt schlummerten, denn James wollte sein Bike innerhalb von nur fünf Wochen aufbauen, um es auf der Mooneyes Show in Schweden zu präsentieren.

Keine Zeit, sich aufs Design des Bikes zu konzentrieren

»Ich habe eigentlich kein Problem, unter Zeitdruck zu arbeiten. Das Einzige, was dir klar sein muss, ist, dass du keine Zeit hast, dich aufs Design deines Bikes zu konzentrieren. Du musst einfach bauen und das Beste hoffen«, erklärt er.

Handschaltung und Fußkupplung mögen gewöhnungsbedürftig sein, machen einen Chopper vom Schlage dieser Panhead aber erst authentisch

Alles Weitere war reines Abarbeiten auf Zeit. In Woche eins stand ein grobes Zusammenbraten aller Teile auf dem Plan, viele davon rostig oder angebogen. James konnte zum Glück auf einige Parts aus vorangegangenen Projekten zurückgreifen, um wirklichen Schrott problemlos zu tauschen.

Woche zwei – Zeit für die Sonderanfertigungen

Dann wieder alles auseinanderbauen, Woche zwei stand vor der Tür. In dieser Woche wurden Sonderanfertigungen wie Auspuff, Tank, Fußrasten, Federsattel und Sissybar in durchgeackerten Nächten fertiggestellt.

Ohne Anti-Rutsch-Beschichtung: Gezackte Vorverlegte statt Opas Trittbretter

Danach gingen die Teile auf den Weg zum Verchromen und der Rahmen zum Lackierer. Woche drei widmete James dem betagten Panhead. Er überholte den Zweizylinder komplett und spendierte ihm eine Morris-Magnetzündung.

Harley-Davidson Panhead bekommt Komplettrevision

»Es ist eine Sonderanfertigung, eine von nur zwei Stück auf der Welt, das schönste Teil an der Pan«, ist sich der Engländer sicher. Und weil der SU-Vergaser bereits montiert, Police-Shifter und Auspuff schon vorbereitet waren, konnte er genug Zeit auf dieses Special verwenden.

Show- und Fahrmaschine ist hier eins. Die Pan zeigt allen die kalte Schulter, die meinen, dass das eine das andere ausschließt. Der betagte, aber nicht schwachbrüstige Zweizylinder spult bei komfortabler Sitzposition brav Kilometer runter … die gewonnenen »Best Old School«-Pokale kann James bequem an der Sissybar befestigen

Und schaffte es gar noch, die alte Sportster-Gabel wieder flott zu kriegen. In der vierten Woche lackierte und polierte James alle Teile auf Hochglanz und räumte seine Werkstatt endlich mal wieder auf. Woche fünf war die spannendste.

Harley-Davidson Panhead – Auf eigener Achse gen Norden

James baute sein Bike komplett zusammen und verkabelte es. »Es gibt keinen aufregenderen Moment, als wenn du das Bike schließlich zum ersten Mal startest. Immerhin haben all die Teile noch nie vorher zusammen funktioniert und du bist irre gespannt, ob es klappt oder nicht«, erzählt James. Es klappte übrigens, der Show in Schweden stand nix im Weg. James fuhr auf eigener Achse gen Norden.

 

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.