Die Bikes von Independent Choppers pflegen einen unverkennbaren Stil. Das erklärt allerdings nicht den sonderbaren Namen dieser Harley-Davidson Panhead.

Frank findet sein Bike »Voll Mongo, Juuuunge«

»Spart euch eure scheiß Kommentare, dass ich Behinderte nicht respektieren und mich über das Down Syndrom lustig machen würde.« Frank holt tief Luft: »Wenn ich das ›voll mongo Junge‹ in den Mund nehme, dann bedeutet es für mich nicht mehr als ›total abgefuckt-geiler Scheiß‹. Juuuuunge!« Der Chef von Independent Choppers aus Düsseldorf erzählt davon, wie er mit Kumpeln »New Kids Turbo« im Fernsehen gesehen und überrascht davon war »über was für eine dämliche Scheiße man sich doch kaputtlachen kann.« Womit schon mal geklärt wäre, wie die 1949er Panhead zu ihrem Namen kam – Mongo Junge.

Minimalismus: Primär- Antriebskette und Kupplung laufen ohne Abdeckung

Ein Bike nur für mich – ohne Kompromisse

Doch die Rigid-Panhead hat natürlich mehr zu bieten, als einen seltsamen Namen. Alles begann vor über drei Jahren, als Frank »auf doof« einen 1949er Starrrahmen kaufte. »Ich wusste noch nicht, was ich damit machen sollte«, blickt der Schrauber zurück, »aber als ich dann beim Verkauf meines BBO-Winnerbikes eine 1961er Panhead in Zahlung genommen habe, konnte die Planung beginnen.« Frank wollte ein Bike für sich persönlich aufbauen. Ein Bike ohne Kompromisse, nur nach seinem eigenen Geschmack, ohne auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Den 1200er Pan, das Ratchet-Top-Getriebe und den Antrieb entnahm er der Basis, rüstete einen Primärbelt nach, besorgte einen überholten Linkert-Vergaser und reinigte die Aggregate lediglich mit dem Eisstrahler: »Ich wollte den für Independent Choppers typischen Patinalook erhalten.«


Passt perfekt zum rotzigen Stil: Fishtail-Eigenbau mit Patinalook

Patina-Look aus dem Eisstrahler

Um den Panhead-Motor in den Starrrahmen pflanzen zu können, modifizierte Frank das Fahrgestell. Und weil die Gabel extrem schmal werden sollte, besorgte er eine »Super Narrow« von Kustom Tech. Schmaler werden musste auch der Lenker von Chopper Kings, was die Säge besorgte. Zwischen die Tauchrohre setzte der Wahlrheinländer eine bremsenlose Spool-Hub aus den USA und trieb den Wunsch nach schlanker Optik damit auf die Spitze.

Die Sissybar stand schon lange vor Baubeginn fest

Schlanke Optik – die Säge besorgts

Aus einer spontanen Idee entwickelte sich der Öltank, der aus zwei Sportster-Zylindern entstand. Frank grient: »Wir haben die Zylinder einfach mit einer Kopfdichtung zusammengeschraubt und mit Gewindestangen verspannt.« Als Öltankstopfen dient übrigens ein alter Türknauf aus einer New Yorker Schule, klärt er mich über weitere interessante Details auf. Etwa über die selbst gebogene Sissybar, das LED-Rücklicht aus einer alten Krümmerschelle oder den Sattel, den Jimmy von Spirit Leather im »abgeranzten Stil« aufgepolstert und gleich noch die dazu passende Rahmentasche angefertigt hat.


Der Kickstarter ist Program

Das Warten hat sich gelohnt

Was jetzt noch fehlte, war ein gravierter Tank. Frank besorgte sich einen gegossenen Alutank von Wannabe Choppers und brachte diesen zu Pinstriper, Tätowierer und Universal-Artist VonMaze. »Es war seine erste Gravierarbeit überhaupt. Ich habe ihm trotzdem freie Hand bei der Gestaltung gelassen«, berichtet Frank. Bis er den fertig gravierten Tank montieren konnte, verging fast ein Jahr. Der Aufbau der Panhead war da bereits weit fortgeschritten. Doch das Warten hatte sich gelohnt. Frank streicht mit dem Finger über den kleinen Chopper-Daves-Luftfilter: »Für mich ist das Bike eine Art Kunstwerk. Ich kann es mir stundenlang anschauen. Es ist exakt MEIN Bike geworden.« Voll Mongo Junge. Juuuuunge!

Info | independent-choppers.de