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Der Spruch in der Überschrift stammt nicht von Mick Evangelista. Dass er aber in direktem Bezug zu dessen Harley-Davidson Pan-Shovel steht, ist Teil dieser Chopper-Geschichte.

Ich bin kein alter Mann, ich bin aber alte Schule«, erklärt uns Mick, als wir ihn in Riverside in Kalifornien besuchen. Unsere Location ist ein Motel, das seine besten Jahre lange hinter sich hat und nun diversen Firmen als Firmensitz dient. Auf der Rückseite der ehemaligen Zimmer befindet sich die Ein-Mann-Werkstatt, die sich »Micks Chop Shop« nennt und mit der sich Mick über Wasser hält. Service hier, Reparaturen da, ab und an mal ein Komplettaufbau und einige Kunden, die nur wegen seiner Gabeln zu ihm kommen. »Ich habe einen Gabelfetisch«, deutet er auf den Chopper, für den wir hergekommen sind. Ellenlang, Springer, keine Riser, »reduziert so wie früher, und natürlich ohne Vorderbremse«, erklärt Mick.

Harley-Davidson Pan-Shovel – Sehr alter Rumpf mit alten Köpfen

Seine Vorliebe für Customgabeln hat sich längst rumgesprochen, auch für zahlreiche Showbikes hat er schon Frontends konzipiert und gefertigt. Da unterscheidet sich Mick nicht von seinem großen Vorbild Sugar Bear, auf den wir später im Text nochmal zu sprechen kommen. Für diesen Chopper hat Mick ein Sammelsurium aus Teilen zusammengetragen, sehr authentisch und bei Oldschoolern gefragt. Fangen wir mit dem Motor an, denn er zeigt eine derzeit oft gesehene Variante eines V2. Der Rumpfmotor entstammt einer Panhead, die Köpfe sind aus einer Shovel. Die Rockerboxen hat Mick gesplittet und gibt dem Motor so eine völlig neue Optik.

Der Jammer-Starrrahmen ist die perfekte Wahl für solch einen Extrem-Chopper

Als Fahrwerk dienen Mick neben seiner Gabel zwei wesentliche Elemente. Da wäre zunächst der Jammer-Rahmen, ein Relikt aus den siebziger Jahren. Für die Aufnahme der Gabel musste das Frontend zwar stark überarbeitet werden, für den Springer-Fetischisten aber kein Problem. »Ich habe solche Arbeiten hundertfach gemacht«, sagt er. Auch die Wahl der Räder fiel kaum schwer. »Invader-Wheels finde ich, neben klassischen Speichenrädern, einfach authentisch und passend für solch einen Umbau. Vorn 19 Zoll, hinten 16, so hat das schon früher funktioniert.«

Heute gibt es Invader-Replikas – Originale sind ja kaum zu bezahlen

Originale Invader-Wheels aus den Siebzigern zu bekommen, ist allerdings ein schwieriges Unterfangen geworden. Zum einen sind sie oft in erbärmlichem Zustand, zum anderen extrem teuer geworden – vor allem nachdem die japanischen Oldschool-Verrückten noch vorhandene Bestände zu Mondpreisen aufgekauft haben. Da ist es mit den Invaders nicht anders als mit anderen gehypten Customparts vergangener Epochen. Glück für Mick, dass sich in den USA einige darauf spezialisiert haben, die Räder als Replikas zu fertigen. So ist zum Beispiel »Led Sled Customs« aus Kalifornien eine heiße Adresse für die lässigen Rundstücke. Überzogen mit den Avons auch für Mick eine perfekte Wahl.

Frontends sind die Spezialität von Mick Evangelista, für zahlreiche Bikes hat er schon Gabeln konzipiert und gebaut. Auch die Springer seines eigenen Choppers stammt natürlich aus seinen Händen. Sie verzichtet auf Riser und hält das 19-Zoll-Rad ohne störende Bremse

Mit diesen Hauptkomponenten ist Micks Umbau fast abgeschlossen, mehr braucht ein Chopper eben kaum. Eine Sissybar fürs Gepäck vielleicht noch. Und eine kleine Sitzbank für Mick plus das Brötchen für die Lady auf dem selbstgebauten Flatfender, der auch das Rücklicht aufnimmt – war noch was? Ach ja, Lampe, Minimalelektrik, Fußrasten und Lack. Der kommt von Headcase Customs und schimmert in Grün, Weiß und Silber.

»Best Long Bike«-Pokal für die Harley-Davidson Pan-Shovel

Und dann der vielleicht größte Moment für Mick Evangelista. Sugar Bear, sein großes Vorbild, überreicht ihm auf einer Bikeshow den von ihm gestifteten Pokal für das »Best Long Bike«, also quasi den besten Chopper. »If it ain’t long, it’s wrong«, das Motto, das Sugar Bear seit über 40 Jahren begleitet, ist auch zu Micks Leitspruch geworden. Der Kreis hat sich geschlossen.

Info | mickschopshop.blogspot.de

 

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.