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Es ist ein Segen, wenn man der Kreativität freien Lauf lassen kann. Noch schöner ist es, wenn die Basis dafür mehr oder weniger fast vergessen in einer Ecke steht und nur darauf wartet, einer richtigen Transformation unterzogen zu werden.

Als Inhaber einer großen Firma ist der Alltag alles andere als langweilig und meist von Terminen gefüllt. Aber wenn mal Zeit und Luft bleibt, widmet sich Thunderbike-Chef Andreas Bergerforth dann auch gerne dem Aufbau eines eigenen Bikes, so wie bei der »Glamor«. 

Harley-Davidson FXE – Ehrwürdige Basis

Die Basis für diesen klassischen Chopper bildet eine ehrwürdige Harley-Davidson FXE, die Andreas vor ein paar Jahren erstanden hatte und die seitdem ein Schattendasein geführt hat. »Sie stand mehr oder weniger in einer Ecke, war aber aus erster Hand und technisch in einem guten Zustand. Allerdings hatte sie der Vorbesitzer mehrfach umgebaut und einen ziemlichen Stilmix auf die Räder gestellt«, so Andreas über die Ausgangssituation.

Viele Details zeichnen die Glamor aus, angefangen vom Tankdeckel …

Wohin die Richtung  des Umbaus gehen soll, ist am Anfang noch nicht ganz klar. Ein hoher Lenker ist ebenso in den Gedankenspielen vorhanden wie eine Sissybar. Doch wie so oft ergibt sich der Stil tatsächlich erst während die Arbeiten in vollem Gange sind. Und so kristallisiert sich schnell heraus, dass es ein reduzierter, schlanker Chopper nach alter Tradition werden soll: leicht, filigran und mit wohl dosierten Details versehen. 

Ursprünglich gefedert, jetzt quasi ein Starrrahmen

Auffälligste Änderung des ursprünglich gefederten Rahmens, ist das Fehlen der Stoßdämpfer. Dort sitzen jetzt ein paar handgefertigte Streben, die das Motorrad mehr oder weniger in die Kategorie der Starrrahmen fallen lassen. »Wir wollten den Fender möglichst knapp über dem Hinterrad sitzen haben, doch mit Stoßdämpfern war der Abstand einfach immer zu groß.

… den Tankeinfassungen …

Eine Neukonstruktion des Hecks war aber auch keine Option, da die »Glamor« bei Bedarf auch zurückgebaut werden können sollte. Also haben wir diese Streben angefertigt, die die Form des Tankdeckels und der Tankapplikationen aufgreifen und die Linie weiterführen.« 

Harley-Davidson FXE – Die Schwinge ist eine Eigenkonstruktion

Passend dazu entwirft die Mannschaft um Andreas eine eigene Schwinge. »Es war auch ein bisschen die Herausforderung etwas anderes zu machen. Eine ähnliche Schwinge hatten wir früher schon gebaut, doch diesmal wollten wir alles in Chrom halten. Um Kratzer im Bereich der Achsaufnahmen und Kettenspanner zu vermeiden, mussten wir aber einen Materialmix verwenden. So ist der Grundkörper der Schwinge jetzt aus verchromtem Stahl, während der hintere Teil mit den Aufnahmen aus poliertem Edelstahl besteht.«

… bis hin zu den Streben, die die Stoßdämpfer ersetzen

Auf die schmale Gabel angesprochen, meint Andreas: »Die stammt von einer Honda CB 250, Gabelbrücken und Cover sind von uns gefertigt.« Nicht ungewöhnlich, denn Andreas hat seine Karriere in den 80ern mit japanischen Modellen gestartet und kennt sich auch in diesem Bereich sehr gut aus. So erklärt sich auch die Nabe des 21-Zoll-Vorderrads, die samt Trommelbremse ebenfalls von einer Honda stammt und in eine TTS-Felge eingespeicht wurde. 

Harley-Davidson FXE – Kein Kabel- und Zügewirrwar

Der ursprünglich angedachte hohe Lenker ist einem wesentlich kleineren Exemplar gewichen. Auffallend ist das fehlende Kabel- und Zügewirrwar, das sonst für eine unruhige Optik am Frontend sorgt. Thunderbike hat bis auf den Gaszug alles durch den Lenker und die Riser verlegt. Nicht unproblematisch, wie Andreas zugibt: »Der originale Bowdenzug der Kupplung war zu dick. Also mussten wir einen dünneren nehmen. Das wiederum erforderte den Einbau einer modernen Kupplung, um die Handkräfte auf ein erträgliches Maß zu reduzieren und den Kupplungszug nicht zu überfordern.« 

Währende der Grundkörper aus verchromtem Stahl besteht, sind die hinteren Teile für die Achsaufnahme und Kettenspanner aus poliertem Edelstahl und somit kratzfest und unempfindlich

Am Motor selbst beschränken sich die Veränderungen auf reine Renovierungsmaßnahmen. Sämtliche Verschleißteile werden ausgetauscht, neue Dichtungen verbaut, und die Zylinder erhalten das erste Übermaß. Mehr ist bei dem alten Shovel nicht zu tun, denn das Aggregat war zum Glück nicht verbastelt. Den letzten Kick bekommt die Glamor zweifelsohne durch die peppige Lackierung mit ihrer Tiefenwirkung.

Harley-Davidson FXE – Great Paintjob

»Wir haben zusammen lange hin und her überlegt. Rot hatten wir schon bei einem anderen Modell, Blau war raus und keine Option. Blieb letztlich nur noch Grün. Das haben wir dann Chiko mit auf den Weg gegeben und ihm Stil und Umsetzung mehr oder weniger freigestellt.« Das Ergebnis spricht für sich und bestätigt einmal mehr eine alte Custom-Weisheit: »The paintjob can make it, or break it.«