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Mit seiner GT-Serie hat Thunderbike die Harley-Davidson FXDR in ein sportives Hooligan-Modell mit Einarmschwinge und großen Rädern verwandelt.

Jeder Privatschrauber kennt es, Projekte sind nicht einfacher zu realisieren, wenn eine Budgetgrenze eingehalten werden soll. Mit was wir uns im Kleinen rumschlagen müssen, ist auch den Profis nicht fremd. So zum Beispiel, als Thunderbike am »Battle of the Kings«-Wettbewerb, dem großen Umbaucontest für Harley-Vertragshändler, teilgenommen hat – den Regeln entsprechend, mit der Auflage eines begrenzten Budgets. Für den Wettbewerb, bei dem Thunderbike den deutschen Vorentscheid deutlich gewann, hatten sich die Hamminkelner Schrauber Harleys FXDR – das sportlichste aller Softail-Modelle – zur Brust genommen und verwandelten es in einen tiefen, bösen Dragster.

Tief und böse, das Modell bietet sich als Basis für einen Dragstyle-Umbau geradezu an. Auch die Leistungsdaten passen, 160 Newtonmeter und sauber abgestimmte 100 PS stehen zu Buche

Allerdings noch mit einigen Originalteilen, wie Schwinge und Rädern. Das Budget ließ einfach nicht mehr zu … doch Blut geleckt hatten sie in Hamminkeln allemal. Und so ist die hier gezeigte »GT-One« eine logische Fortsetzung der Drag-Harley oder auch einfach schrauben »to the next Level«, wie Thunderbike-Chef Andreas sagt. Wie das damalige Bike ist auch die GT-One tiefergelegt, gute dreißig Millimeter sind es am Heck, wo die mächtige hauseigene »Grand Prix«-Einarmschwinge samt riesiger Perimeterbremse greift. Es ist nicht das letzte Mal, dass Thunderbike einen Umbau der FXDR mit dieser Schwingenform anbietet.

Harley-Davidson FXDR 114 ohne schwurbeliges Originalheck

Das Hinterrad mit seinen 18 Zoll wird durch ein 21-Zoll-Rad aus der hauseigenen Rädermanufaktur ersetzt, durch die einarmige Führung kommt es besonders gut zur Geltung. Während Harley das Serienbike mit 240er-Reifen ausliefert, gehen die Hamminkelner ein Stück weiter, 260 Millimeter misst der montierte Metzeler. Über ihm weicht das doch etwas schwurbelige Originalheck einem knackigen Fender samt integrierter Beleuchtung. Und auch der unsägliche Kennzeichenhalter, der beim Original quer hinterm Reifen wabert, kommt weg und wird durch eine seitliche Halterung ersetzt.

Die TB-Gabelbrücke ermöglicht den Einbau des 23-Zoll-Rades in Kombination mit der originalen Upside-Down-Gabel

Und auch vorn geht die Post richtig ab. Zwar verwendet Thunderbike die originale Gabel der FXDR auch am Umbau, allerdings versehen mit einer komplett neu entwickelten Gabelbrücke. Die ist zwar optisch kaum vom Original zu unterscheiden, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Ihr Name – GT 23″ – verrät, warum. »Die Brücke hat eine spezielle Geometrie, die es ermöglicht, ein 23-Zoll-Rad in Kombination mit der Seriengabel zu verbauen, ohne dabei auf ausreichenden Federweg verzichten zu müssen«, erklärt Andreas sichtlich stolz.

Heck, Schwinge, Räder und Bremsen stammen aus der GP-Serie

Und tatsächlich ist die Gabelbrücke nur ein Teil einer Range an Parts, die für Harleys Milwaukee-Eight-Generation entwickelt wurden und werden, »GT« steht dabei für Grand Turismo, die GT-One das erste Modell dieser Linie. Perfektioniert wird das Frontend durch den TB-typischen Bugspoiler, der wie Heck, Schwinge, Räder und Bremsen aus der eigenen GP-Serie stammt. Der potente 114-cui-Milwaukee-Eight-Motor wurde äußerlich nicht weiter angetastet, markantes Statement ist aber der ovale Luftfilter, sowie die kurze 2-in-1-Anlage.

Das polarisierende Pummelheck der FXDR wurde durch einen knackig kurzen Fender samt integrierter Beleuchtung ersetzt

Durch perfekte Software-Abstimmungen kitzelten die Mechaniker außerdem noch ein paar PS mehr aus dem Zweizylinder, etwa 100 PS sind nun drin.  Und mit seinem Drehmoment von 160 Newtonmetern ist das Aggregat sowieso die Wucht in Tüten. Bleibt noch, dem Kind eine passende Lackierung zu geben. Einmal mehr zeichnete dafür Altmeister Ingo Kruse verantwortlich. Zur Grundfarbe in Silber-Metallic gesellen sich nur wenige rote und schwarze Akzente. Passt perfekt zu dieser Ansage auf zwei Rädern. Und stimmt uns zugleich ein wenig traurig, da die Company die FXDR mittlerweile aus dem Programm genommen hat. Aber es gibt ja noch die Breakout, die kann auch GT.

Info |  thunderbike.de

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.