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Thorsten und Torsten, was für eine Gespann. Der eine hat seine Ideen und Vorstellungen, der andere das passende Werkzeug. Und so ist dieser Bobber auf Basis einer Harley-Davidson FX nicht das erste Projekt der Brüder im Geiste.

Torsten Habrich steht auf Harley, was anderes kommt dem Bergheimer nicht in die Garage. Als Alltagschopper dient eine Oldschooler im Wishbone-Rahmen, hier und da kommen andere Projekte dazu, die aufgebaut und irgendwann auch wieder verkauft werden.

Harley-Davidson FX – Klare Vorstellungen vom Design

Das Schrauben, das liegt Torsten allerdings nicht im Blut. Klare Vorstellungen vom Design seiner Bikes hat er trotzdem. Gut, wenn man dann einen Customizer findet, der die umsetzt. Torsten fand den in Thorsten Matthes, Chef von Deathfield Choppers.

Auffällige Rundlampe, kurzes Ducktail-Heck, dicke Reifen – der Wunsch nach einem klassischen Bobber wurde hier vorbildlich erfüllt

Nicht nur die Namensgleichheit passt, auch das Zusammenspiel erweist sich als äußerst fruchtbar, »auch wenn ich hier und da nörgle und ständig mit neuen Ideen komme, Änderungen will, alles wieder anders gemacht werden muss«, wie Torsten zugibt.

Verbastelte Ausgangsbasis für den Classic-Bobber

Umso größer seine Dankbarkeit an den Customizer, der den Weg mitgeht und Torstens Vorstellungen am Ende immer wunschgemäß auf die Straße bringt und so tatsächlich zum »Partner in Crime« wird. Im aktuellen Fall war Torstens Wunsch, unschwer zu erkennen, ein klassischer Bobber und die Ausgangsbasis zunächst eine etwas verbastelte Kiste.

Der zweigeteilte Tank entstand aus dem Spritgefäß einer Fat Boy. Das Gefäß durfte ein Jahr natürlich vor sich hinrosten, wurde zusätzlich abgeschliffen und trägt nur ein paar Pinstripes

»Die Basis, eine FX-Shovel, hatte ich von einem alten Freund gekauft«, erzählt Torsten. Geschmacklich traf der bereits begonnene Umbau seine Vorstellungen zwar nicht, allerdings war die Basis eine gute – und gegen zu langgezogene Auspuffanlagen oder andere Details hatte Torsten ja noch seinen Joker Thorsten.

Harley-Davidson FX – Rohes, bodenständiges Motorrad

Die Zielsetzung war ein rohes, bodenständiges Motorrad, das keine Unsummen an Geld verschlingen sollte. So gab es beim Aufbau durchaus Wünsche, die nicht ins Budget passten, wie zum Beispiel ein neuer Primärantrieb.

Unter der Sitzbank von Katharina von der Eiche bleibt die Öltemperatur im Blickfeld

Andere, wie der Ersatz für die langen Auspuffrohre, waren dagegen einfacher zu realisieren. Die neue, kurze Anlage mit den Fishtails ist ein Eigenbau von Deathfield. Der Schwingrahmen bekam die Räder einer FLH verpasst, und Shinko-Reifen sind sowieso eine gute Wahl beim Bau von Oldschoolern und Bobbern.

Gutes Bremsmaterial von Performance Machine

Ordentliche Federbeine machen genauso Sinn wie gutes Bremsmaterial von Performance Machine an der Front, in Sachen Fahrbarkeit sind Kompromisse sowieso meist nicht die beste Wahl.

Das Kickerpedal wurde bei Wannabe Choppers gegossen und weist das Modell perfekt aus

Der zweigeteilte, geschmälerte Tank, ursprünglich aus einer Fat Boy, entsteht bei Deathfield, genauso wie der Fender oder die Grundplatte für den Sitz, der von Lederkünstlerin Katharina von der Eiche bezogen wird.

Harley-Davidson FX – Moppeliger Bobber mit fetter Ochsenkopflampe

Als Fußrasten dienen klassische Trittbretter, die Mini-Instrumente stammen zeitgemäß von Motogadget. Und weil ein Bobber naturgemäß etwas moppelig daherkommt, kann er auch die fette Ochsenkopf-Lampe vertragen, die anders als Tank und Fender, wo natürliche Patina den Ton angibt, mit Chrom glänzt.

Kurze Fishtails passen besser zum kompakten Look als ellenlange Auspuffrohre

»Wir hatten eigentlich auch bei der Lampe versucht, auf Patina zu setzen«, erklärt Torsten. Lange wurde am originalen Scheinwerfer geschliffen, um den passenden Look zu erreichen. »Aber angebaut sah das dann einfach nur scheiße aus«, so fiel die Wahl auf den dicken Ersatz.

Fragen nach der Harley-Basis werden dank des Kickers überflüssig

Zwei kleine Details geben dem fertigen Bobber noch einen kleinen Kick. Da wäre das gegossene Kickerpedal von Wannabe Choppers, Fragen nach der Harley-Basis werden damit überflüssig. Außerdem durfte sich Pete vom gleichnamigen Rod Shop mit schwarzen Stripes auf dem rauen Metall von Tank und Fender verewigen. Klarlack drüber, fertig fürs Abenteuer. 

Rauher Charme: Rohes Metall und Oldschool-Armaturen bestimmen auch das Frontend der Shovel

Die erste Tour ging direkt nach Berlin, alles hielt und machte Laune. »Gekaufter Style ist nicht mein Ding, das Motorrad ist so ehrlich und authentisch, wie ich es mir gewünscht hatte«, freut sich Torsten. Dass der Aufbau außerdem im Budgetrahmen blieb, ist überdies hilfreich. Denn so war das Hawaiihemd von KiK zu 3,99 auch kein Problem – und das passt wiederum perfekt zum Fifties-Bobber.

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.