Flatheads sind zum Aussterben verdammt. Den Dino unter den Harleys bekommt man nur noch selten zu Gesicht. Erst recht nicht als feinen Boardtracker mit 21-Zoll-Besohlung

Flatheads sieht man eher selten, zu rar sind gut erhaltene oder umgebaute Exemplare inzwischen

Christoph Repp und Udo Sacher, das ist eine über Jahrzehnte gewachsene Freundschaft mit einer unzerstörbaren Bindung zu Motorrädern aus Milwaukee. In den 90ern macht sich Udo mit U.S. Custombikes selbständig während Christoph erst in Hühner, Eier und Nudeln investiert, um sich dann als Harley-Davidson Vertragshändler in Würzburg niederzulassen.

Der Bindung zueinander tut das keinen Abbruch, es ist die gemeinsame Leidenschaft, die alles zusammenhält. »Ich habe in meinem in Großheubach noch zwei Hebebühnen  in meiner Werkstatt stehen. Da hocke ich dann am liebsten bei einem Bier mit Udo zusammen und schraube an Bikes.«


Ein Bobber oder Chopper kam nicht in Frage

Es muss wohl eines dieser Zusammentreffen gewesen sein, bei dem die beiden beschlossen, eine ehrwürdige Harley-Davidson WL aus ihrem tristen Dasein zu befreien und sie einer neuen Bestimmung zuzführen. »Die Flathead war eine Inzahlungnahme. Leider war sie mehr oder weniger in Teile zerlegt«, klärt Udo auf. »Aber alles andere hatten wir sowieso da liegen«, ergänzt Christoph.

Gemeinsam gehen sie an die Planung. Ein langes Hin- und Herüberlegen brauchen die beiden Harley-Spezilaisten nicht. Ein Bobber oder gar Chopper kommt nicht in Frage, vielmehr bleiben sie am Stil der frühen Boardtracker hängen. Sie entwerfen ein Konzept zur Umsetzung und legen die Prioritäten fest. Fahrbarkeit steht dabei ganz oben im Pflichtenheft. »Und dann schleppt Chicken die 21-Zoll-Räder der Breakout an«, grinst Udo. Chicken? »Ja, wir nennen ihn so, wegen seiner Hühnerfarmen. Es ist sein Spitzname.«


Die 21-Zoll-Räder fügen sich nahezu perfekt ins Gesamtkonzept und geben der WL völlig neue Proportionen

Auf alle Falle finden die Räder ihren Weg an die Flathead und verpassen ihr schon im Stand völlig andere Proportionen – und vor allem sportlichere. Auf die, sagen wir mal, periodisch nicht korrekte Bereifung angesprochen entgegnet Udo: »In der Dimension 21 Zoll gibt es keine Reifen  mit klassischem Profil.« Damit wäre das auch geklärt, bevor wieder jemand wegen dem modernen Profil anfängt zu heulen.

Viel Liebe zum Detail

Der weitere Um- und Aufbau des Boardtrackers gestaltet sich relativ problemlos. Routiniert werden die Arbeitsabläufe abgespult, nimmt die Flatty mit jedem Abschnitt mehr Gestalt an. Ein normaler Sportster-Tank wird in zwei Hälften zerlegt und angepasst, inklusive zweier Benzinhähne, die eine alte Knuckle spendiert. Motor und Getriebe werden auseinandergenommen, auf ihren Zustand geprüft, notwendige Teile ersetzt oder repariert, alles neu abgedichtet und wieder fahrbereit gemacht. Die Kupplung wird auf Handbetrieb umgebaut, gleichzeitig die Handkräfte reduziert. »Das fährt sich halt leichter.«


Offener Primärbelt und textilummantelte Kabel. Die Schöpfer legen Wert auf jedes Detail

Die Minimalelektrik stellt kein großes Problem dar. Mit wenigen Kabeln, Udo nimmt korrekterweise sogar textilummantelte, ist das Thema Elektrik schnell abgehakt. Und Blinker braucht die WL aufgrund des Baujahres auch nicht. Folglich bleibt die Optik recht clean. Erst zum Schluss folgt die schlanke Lampenmaske.

Ein Traum von Flathead haben Christoph und Udo Wirklichkeit werden lassen

»Eigentlich wollten wir den Lenker noch weiter runterziehen, haben uns dann aber umentschieden und die Maske dafür höher gemacht«, klärt Christoph auf. Bei der Lackierung verzichten sie konsequenterweise auf knallige Farben, Metalflake oder sonstigen Blingbling.

Udo steht auf RAL-Farben und da Boardtracker aus einer anderen Epoche stammen, darf es dann auch ein gedecktes Olivgrün sein, das ein paar rote und schwarze Applikationen erhält. Dezent, schlicht und unaufdringlich, so wie das ganze Projekt eben.

Lang, länger, Ansaugrohr. Das Lackkleid bekam schlichte RAL-Farbtöne

Ob es jemals Zweifel an der Durchführbarkeit dieses Umbaus gab? Christoph wischt solche Bedenken weg: »Udo und ich kennen uns schon so lange, verstehen uns blind. Da muss nichts diskutiert oder lange bequatscht werden. Wir ticken halt gleich. Genau deswegen war von Anfang an klar, dass wir das erreichen werden, was wir uns vorgenommen hatten. Und wir hatten jede Menge Spaß dabei.«


Die wiederbelebte Flathead wird es ihren Schöpfern mit Sicherheit danken. Doch zuerst muss sie die Reise zu den Hamburg-Harley-Days antreten. Dort wird sie offiziell präsentiert. Und danach? »Keine Ahnung, wir werden sehen. Vielleicht bleibt sie bei uns oder sie kommt in gute Hände, wenn sie einer unbedingt haben will.«

Info |
www.hdwv.de
www.us-custombikes.de