Artikel speichern

0

Rolo hat es wirklich wahr gemacht. Zu weiten Teilen als Einzelkämpfer und aus einem großen Berg Schrott entstand ein Ford Motorrad. Oder besser: Ein Hot Rod Bike mit dem 2-Liter-V6-Motor eines Granada.

Rolo mag keine halben Sachen. Er wollte kein vorhandenes Motorrad mit ein paar selbstgefummelten Teilen aufhübschen, sondern sein Bike von Grund auf selbst erschaffen, einen Eigenbau im klassischen Sinne. Bei seiner Bewerbung hatte er uns netterweise drei Varianten zur Auswahl gestellt: eine Solomaschine, ein Gespann oder ein Trike.

Ford Motorrad mit 2-Liter-V6-Motor aus einem ’77er Granada

Wir entschieden uns für das Zweirad. Gemeinsam war allen drei gezeichneten Entwürfen die außergewöhnliche Antriebseinheit: Ein 2-Liter-V6-Motor aus einem Ford Granada von 1977! »Weil ich mittlerweile seit 25 Jahren bei einer Ford-Werkstatt arbeite, keimte schon früh der Gedanke in mir, ein Motorrad mit V6-Technik zusammenzuschrauben«, erzählt uns Rolo.

Für Rolo stand das Thema »Ford« im Mittelpunkt seines Eigenbaus

»Leider habe ich das Projekt immer wieder verschoben und andere Dummheiten gemacht. Da kam der Fukker-Build Off gerade recht.« Hatte ihm zu Beginn des Aufbaus noch Kollege Jens geholfen, so musste der Garagenbastler bereits nach einigen Wochen alleine an dem Großprojekt weitermachen.

Selbstgeschweißter Leiterrahmen mit Rohren einer alten Hausheizung

Er konstruierte einen mächtigen Starrrahmen, der aus dem Lenkkopf samt Gabel und Vorderrad einer Kawasaki GPZ besteht, das er an einen selbstgeschweißten Leiterrahmen aus 50-Millimeter-Vierkantstahlrohr und Zollrohren seiner alten Hausheizung verschraubte. »Abschraubbar, damit man den riesigen Motor wieder herausbekommt.«

Der Sattel stammt vom Traktor

Das Getriebe und den Kardanantrieb einer BMW R 100 flanschte er an den 90-PS-Motor, nicht ohne über eine offen laufende Kette einen 13-cm-Versatz nach rechts zu konstruieren: »Irgendwie musste ich schließlich an dem 260er-Reifen vorbeikommen!« Dieser befindet sich übrigens auf der Stahlfelge von einem Jeep, kombiniert mit der Scheibenbremse eines Ford Escort.

Ford Motorrad mit dem Schalldämpfer von einem Transit

Einen wilden Mix bietet auch die Auspuffanlage, auf deren Fächerkrümmer ein Schalldämpfer von einem Ford Transit steckt. »Ich steh halt auf Ford.« So verwundert es nicht, dass der ovale Scheinwerfer der Form der Ford-Pflaume entspricht. Fahrtrichtungsanzeiger und Rückleuchten hingegen entstanden aus Lenkerendblinkern.

Den Seitenständer ersetzt ein Wagenheber

Der Sprit läuft durch einen Honda-Tank in einen Eigenbau-Unterflurtank unter der Ölwanne, von dem aus eine mechanische Benzinpumpe den 38er- Solex-Doppelvergaser füttert. Rolos Talent zum Recycling kennt keine Grenzen: Den Kühler stiftete ein Opel Kadett, den Sattel ein Traktor und die Elektrik steckt in einer alten Magazinschute. 

Der Paintjob ist nicht wirklich schön geworden – aber selfmade

Als Lack wählte der kreative V6-Schrauber ein mattes Grau, an dem er sich mit Pinstripes versuchte. »Mit den Restbeständen meiner Revell-Farben ist das nicht wirklich schön geworden, aber selfmade«, legt Rolo Wert darauf, alles alleine hergestellt zu haben.

»Asphalt Bitch says: Fuck the TÜV«

Viele Details tragen den Lack der Zeit, rötlich-braunen Rost. Wichtige Maschinenteile schützte er mit Waffenöl. Das fertige Bike steht als ein wahres Meisterwerk der Garagenbaukunst vor uns. Es streckt sich über satte 2,40 Meter in die Länge und klebt mit 60 cm Sitzhöhe am Boden.

500 Stunden hat Rolo für seinen Eigenbau aufgewendet

Der Granada-V6 sitzt saugend zwischen dem Rahmengeflecht. Wir sind tief beeindruckt. 500 Stunden hat Rolo für seinen Eigenbau aufgewendet und rund 3000 Euro Material darin versenkt. Lauschen wir doch einfach Rolos Begeisterung für sein eigenes Projekt: »Auferstanden aus Ruinen! Born to be wild! The ultimate Hot Rod Bike is back from hell!«