Ein göttlicher Wind stürmt über Bayern. Zurück lässt er eine stollenbesohlte Honda CB 750 und eine verliebte Redakteurin.

Es ist passiert, ganz plötzlich, ohne Ansage, einfach so … ich habe mich verliebt, in ein Motorrad. Dabei habe ich während meiner Arbeit in unserer Redaktion alles schon gesehen … filigrane Chopper, ballonige Bobber, unfahrbare Rotzmöhren, amerikanischen Low Budget-Trash, Edelpunk-Karren und Unsinns-Kisten. Das ist zwar alles sehr schön, und manchmal war ich auch kurz davor, mein Herz zu verlieren. Aber am Schluss war es doch nie dieses ultimative Gefühl, irgendwas störte immer, im Zweifelsfall ein unvernünftiger Preis. Als ich kaum noch an die große Zweirad-Liebe glaubte, kam mein alter Freund, der Psychoking, um die Ecke und zeigte mir ein Bild, und da hat es blobblobblobb gemacht und das Herz hat gepumpt und alles war klar.

Überschaubarer Aufwand, maximaler Erfolg: Der Youngtimer punktet mit Optik, schmalem Budget und ordentlichen Fahreigenschaften

Und wer verliebt ist, will mehr als nur ein kleines Bildchen vom Objekt der Begierde. Also einmal unseren Fotografen quer durch die Republik gejagt, und wehe er bringt keine schönen Fotos mit. Und hier isse nun, die Kamikaze-Honda CB, die auch Mädchenherzen rockt.


15 Jahren gammelte das Relikt der 80er in einer Nachbarwerkstatt vor sich hin

Das Komische ist, dass Hape, wie der Psychoking im wahren Leben heißt, gar nicht mal soviel an der Youngtime-Honda CB 750 gemacht hat. Seit 15 Jahren gammelte das Relikt der 80er in einer Nachbarwerkstatt vor sich hin, bevor er sich dem Ding annahm und es in seine kleine Firma Kraftwerk Customs schleppte. Die Bestandsaufnahme, die er an jedem Motorrad als erstes durchführt, bekam auch die CB. Komplett auseinandernehmen, alles prüfen und das Chassis pulverbeschichten – Standard für den King. Da die Honda gerade mal 13.000 Kilometer auf der Uhr auswies, konnte er den Motor original belassen, bis auf den neuen Luftfilter. Auch die Auspuffanlage ist ’ne billige Nummer. Die Originaldämpfer satt kürzen, neues Supertrapp-System rein, fertig.

Ein komplett pulverbeschichteter Rahmen ist Standard. Dazu wurde fröhlich weggeschnitten

Danach suchte Hape sein Heil im gnadenlosen Choppen – Weglassen, bis der Arzt kommt, das kann er gut. Vor allem das Heck wurde radikal gestutzt, der massige Tank wich einem neuen, kleineren Eigenbau. Schwinge, Gabel und Federbeine nahm der Vielschrauber von Suzukis GSX-R, lag noch so rum. »Überhaupt ist die Honda eigentlich eine komplette Lagerräumung, wenn du so willst«, erklärt er. Klar, denn auch der ersteigerte Karton mit den MV-Agusta-Bremsanlagen musste ein Paar davon für die CB abtreten. Und die hintere Felge stammt von einer modernen Harley Street Bob. Dinge, die eben nicht rumliegen, baut Hape für gewöhnlich selber – Sitzbank, Fender, Rücklicht und Instrumente, alles kein Ding. Die Lackierung ist Japan-Style pur, Kamikaze eben – göttlicher Wind, wie uns die Übersetzung ins Deutsche lehrt.


Durch die Eintragung als Winterreifen ist bei 160 Schluss

Und die Stollenreifen? »Die wollte ich von Anfang an haben«, erklärt der Bayer. Dafür geht er einen Kompromiss bei der Zulassung ein. Die Reifen sind als Winterbereifung eingetragen. Das bedingt eine maximale, zulässige Geschwindigkeit. Hape ist verpflichtet, einen Sichtfeld-Aufkleber, beschriftet mit der Vmax von 160 km/h, am Mopped zu führen.

So schlimm sind die Stollenreifen gar nicht. »Im Schritttempo hoppelt die wie blöd, aber spätestens ab 60 km/h ist alles in Ordnung«, erklärt Hape. »Und sie schmiert in den Kurven ein bisschen, aber ist ja auch kein Renngerät«

Angesichts des wunderbaren Ofens ist dieses Manko aber verschmerzbar. Ich bin inzwischen infiziert und hege einen Plan. In meiner Garage gammelt auch was vor sich hin, eine Honda CB 500. Vielleicht kann Hape sie mir umbauen, ich will ’ne Karre, die amtlich Porno ist. Und der Hape, der bekommt das schon hin.


Info | kraftwerk-customs.de