„Es blüht die Wurst nur kurze Zeit, die Freundschaft blüht in Ewigkeit.“, Wilhelm Busch hat den Nagel schon vor 200 Jahren auf den Kopf getroffen. Nichts geht über die Freundschaft. Schon gar nicht unter Männern, die ein Hobby teilen: Motorräder. Bei der Custom Cycle Crew im Ruhrgebiet ist eines in Stein gemeißelt. Zusammen schrauben bedeutet zusammen schweißen – im übertragenenen Sinne. Die Member des anerkannten Schrauberclubs sind eine eingeschworene Gemeinschaft, und auch wenn ein Fahrzeugbrief einen Besitzer ausweist, so ist jedes neue entstandene Bike der Jungs ein Werk aller.

Kawasaki-Triumph-Yamaha

Der eine kann schweißen, der andere kennt sich mit Elektrik aus und wieder ein anderer schwingt das Schleifpapier  besser, als Mutti den Putzlumpen. „Es ist alles einfacher, wir haben kurze Wege, lange Wartezeiten auf Teile oder sonstwas kennen wir nicht“, erklärt uns Markus, der in der Szene als Choppermölle bekannt ist. Und Christian ergänzt: „Wir lieben Motorräder und gehen mit den Bikes unserer Leute so sorgsam um wie mit unseren eigenen.“ Beide haben im Team amtliche Backstreet-Karren auf die Räder gestellt … wir sind verzückt und schauen genau hin.


Kawasaki-Triumph
Choppermölles Kawasaki kommt als Unfallmaschine zu ihm nach Wickede. „Der Motor hat mir schon immer gefallen“, erklärt er die Wahl für den Zweizylinder. Er baut das Bike komplett mit dem Originalrahmen wieder auf, TÜV, alles gut. Bis er einen 55er Rahmen einer Triumph T 120 bei ebay ersteht und sich entschließt, den W650-Motor zu verpflanzen. Also reisst er den Japaner komplett auseinander, übrig gebliebene Teile werden verkauft. „Und das Geld direkt in neue Parts investiert“, erzählt Mölle, der sich mit der Cycle Crew quasi jeden Monat auf diversen Teilemärkten rumtreibt. Ein ordentlicher Fundus an allem Möglichen wartet so in der gemeinsamen Werkstatt auf Verwendung.

Kawasaki-Triumph-Yamaha

Die Bilder vom Wunschmotorrad sind schon vor dem eigentlichen Aufbau in Mölles Kopf, zum anderen auf der Straße. Udo Sacher, Chef von U.S Custombikes hatte zuvor bereits einem ähnlichen Projekt auf die Räder verholfen. Und er stand Mölle nicht nur mit guten Ratschlägen zur Seite, sondern auch mit kräftiger Hilfe. Schließlich kürzte er die Rohre der Trapezgabel um satte zehn Zentimeter. Die Gabelbrücke entsteht eigenhändig auf dem Wasserstrahlschneider. Auch der Rahmen wird für die Aufnahme des Motors angepasst. Andere Teile entstehen im Eigenbau und mit der Hilfe der Kumpels. So dreht Mölle alle Messingteile inklusive der Schrauben selbst. Schaut zum Beispiel mal auf den Kickstarter, ein Paradebeispiel für die Eigenleistungen an Mölles Ofen. Oder der Eigenbau-Sitz, den er mit den Fragmenten seiner ersten Lederjacke selbst bezieht.


Kawasaki-Triumph-Yamaha

Dem immer wieder gerne für Oldschool-Aufbauten verwendeten Sportster-Tank verpasst unser Schrauber übrigens noch eine Sonderbehandlung. Er lackiert ihn in mehreren Schichten übereinander. Nur, um diese dann mit simplem Schleifpapier wieder abzutragen. So erreicht er einen alt scheinenenden Patina-Look, der sich an dem verbauten Oldtimer-Rücklicht wiederfindet. Lediglich ein paar schlichte Pinstripes gönnt er dem fertigen Mopped noch. „Ich wollte halt nicht so ’nen Metalflake-Zeug wie Christian“.

Yamaha-Triumph
Der lacht mit Blick auf sein metallgrünes Bike. Für ihn muss es genau diese Farbgebung sein. „Ich stehe einfach auf den Frisco-Style, da gehört das dazu.“, erklärt er. Christian ist ein geläuterter Harley-Fahrer. Als er bei einem Motorradunfall vor fünf Jahren seinen rechten Unterschenkel verliert und sein rechtes Knie danach steif bleibt, ist das für ihn kein Grund, aufs Fahren zu verzichten. Nur eine vorverlegte Rastenanlage ist ein Muss. Christian kauft sich eine Custom-Harley. Irgendwann sprechen ihn ein paar Jungs an, ob er nicht eine Garage zum Schrauben sucht. So kommt er erstmals in die Halle der Cycle Crew, und bleibt. Heute ist er der Mann für die Schweißarbeiten an den Member-Bikes. Mölles Trumpets und der Z-Lenker gehen zum Beispiel auf seine Kappe. Und auch bei Christian findet ein Umdenken statt. „Weißt du, eine fette Harley fahren viele, aber eigentlich ist doch diese Schmalbauweise viel geiler. Und das geht nunmal mit so ’ner XS richtig gut.“ Er verkauft die Harley und sattelt auf Japan-Eisen um. Das Mopped ist zwar beim Kauf schon umgebaut, trotzdem legt er nochmal Hand an. 


Kawasaki-Triumph-Yamaha

Dem Motor spendiert Christian 100 zusätzliche Kubik, dazu Kurbelwelle feinwuchten und Zylinderköpfe mit größeren Ventilsitzen versehen, offener Luftfilter Ehrensache. Im Gegenzug behält er Gabel, Räder und Bremsen der XS bei. Den englischen Starrrahmen sowieso. Und wie bei Mölle entstehen auch an der Yamaha Sitzbank, Fußrasten, Fender und eine komplette Auspuffanlage im Eigenbau.

Hauptsache schmal: Ein Hauch glitteriger Frisco-Look, gewürzt mit jeder Menge  japanischem Bratstyle geben der XS 650 viel Eigenständigkeit

Wie der Kumpel kickt Christian sein Motorrad an. Mit seinem Handicap eine ernsthafte Aufgabe, die er sich aber niemals nehmen lässt. „Das gehört dazu, das muss so sein.“, erklärt er lapidar. Mölle formuliert es anders: „Ich habe davor höchsten Respekt, es beeindruckt mich immer wieder.“ Uns auch … ein Hoch auf eure Bikes, und die Freundschaft.

Fazit
Wir schrauben, also sind wir. In einer Gemeinschaft wie der Custom Cycle Crew können nur gute Motorräder entstehen. „Man sieht auf den Bildern nicht, wie gut unsere Bikes fahren“, erklären uns die Männer. Und richtig, wir sind erstmal skeptisch. Aber Mölle und Christian versichern uns, dass ihre Eigenbauten ständig bewegt werden. Wer den Terminkalender der Cycle Crew kennt, glaubt ihnen sofort. Fahren sie doch Treffen nahezu immer auf zwei Rädern an. Ungefederte Rahmen, Trommelbremsen, Ankick-Action … wen interessiert das schon?


Technische Daten
Triumph T120 / Kawasaki W 650 Bj. 1955/2004
Erbauer: Markus von Möllendorf


Motor
Zweizylinder-Viertakt, ohc-Vierventiler, 
676 ccm (Bohrung/Hub 72 x 83 mm)

Luftfilter: K&N
Auspuff: Eigenbau-Krümmer / Trumpets
Getriebe: Fünfgang, Kickstarter
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 50 PS bei 7000/min
Drehmoment: 56 NM bei 5500/min
Höchstgeschwindigkeit: 178 km/h

Fahrwerk
Triumph-Einschleifen-Stahlrohrrahmen, starres Rahmenheck, verschraubt
Gabel: Zubehör-Trapezgabel, 10 cm gekürzt / U.S Custombikes
Räder: Alufelgen, vorn 3.5 x 19“ mit 100/90-19, hinten 4.0 x 18“ mit 120/90-18
Bremsen: vorn Tokico 4-Kolben, hinten Trommel

Zubehör
Tank: H-D Sportster
Lenker: Eigenbau Z-Lenker
Sitzbank: Eigenbau
Lampe: Häckel 50er Jahre
Rücklicht: Oldtimer
Instrumente: motogadget
Fußrasten: Moto Italia
Pinstripes: Painted Steel

Metrie
Leergewicht 179 kg
Radstand 1610 mm


Technische Daten
Triumph / Yamaha XS 650 Bj. 1951/1980
Erbauer: Christian Voß

Motor
Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, ohc-Zweiventiler, 748 ccm (Bohrung/Hub 78 x 74 mm)

Zylinder: 750 ccm-Satz
Vergaser: Mikuni TM34
Luftfilter: K&N
Auspuff: V2A-Eigenbau
Getriebe: Fünfgang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 58 PS bei 7000/min
Drehmoment: 74 Nm bei 5500/min

Fahrwerk
Triumph-Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, starres Rahmenheck
Gabel: Yamaha-Tele
Räder: Yamaha-Gussräder mit vorn 100/90-19, hinten 140/80-16
Bremsen:vorn Scheibenbremse,     hinten Trommel

Zubehör
Tank: Simson SR2, modifiziert
Sitzbank: Eigenbau
Lenker: Eigenbau
Instrumente: Fahrradtacho
Fußrasten: Eigenbau
Fender: Eigenbau
Lackierung: House of Kolor

Metrie
Leergewicht: 180 kg
Radstand: 1620 mm