Artikel speichern

0

Wer in der DDR eine AWO fuhr, musste auch schrauben können – anders ging es nicht. Jens-Andreas Lienig beherzigt das bis heute. Die Story zum Umbau seiner AWO 425 T wollte er uns selbst erzählen …

»Ich fahre seit 1984 Motorrad, habe gleich mit einer umgebauten AWO angefangen. MZ fahren, das ging für mich gar nicht, das war doch viel zu brav. Die gechoppte Sport-AWO von damals fahre ich noch immer, allerdings ist sie inzwischen fast wieder original.

Neben den AWOs ist der Fuhrpark bunt gemischt

Seit 1992 habe ich noch ’ne LS 650, zwischendurch auch mal kurz eine Kawa W650 und aktuell fahre ich eine von mir umgebaute Sportster, bisschen abgespeckt und flacher gemacht. Ein MZ-Gespann und ein paar »richtige« Oldtimer vervollständigen meinen Fuhrpark.

Sämtliche Ostkräder, aber auch mal Suzuki, Kawasaki oder Harley: Jens-Andreas Lienig kennt sich mit vielen Motorrädern aus. Der Umbau der 425 T ist trotzdem ein Herzensprojekt, das akribisch und komplett von Grund auf geplant, gebaut und vollendet wurde

In einer Ecke hatte ich bereits seit Jahren noch einen verbogenen AWO-Rahmen rumliegen. Mit dem wollte ich schon immer was machen. Ich setzte meine Gedanken zeichnerisch um und entwickelte Pläne. Mit einem ausgeborgten, sehr gut erhaltenen Rahmen als Vergleich wurde meine Basis wieder gerichtet, überflüssige Halter entfernt und leichte Anpassungen vorgenommen.

AWO 425 T – Ausnahmsweise keine MZ-Gabel

Schon Standard beim Umbau von AWOs ist die Verwendung von MZ-Gabeln. Das kam für mich aber nicht in Frage. Die etwas gekürzte Telegabel einer Sport-AWO tut jetzt ihren Dienst. Auch die Radgrößen habe ich geändert.

Dem kleinen Tank einer 125er MZ kam besondere Aufmerksamkeit zu. Neuer Tunnel einschweißen, den Einfüllstutzen versetzen, einen Tacho einpassen. Die Linierungen am Tank führte der Erbauer selbst aus

Nun rollt die AWO vorn und hinten auf Alufelgen der Größe 3.5 x 18“, original bei der T sind es eigentlich 19 Zoll. Passend zum geänderten Radumfang habe ich neue Schutzbleche angefertigt. Als Grundlagen dienten hier beim hinteren der Vorderkotflügel einer ES 150, von dem aber nur die seitlichen Rundungen verwendet wurden. Das vordere, ordentlich gekürzte Pendant stammt von einer TS 150. 

Das Spritgefäß mit Werkzeugfach stammt von einer MZ RT 125

Beim Tank sollte es ebenfalls etwas Kleineres werden. Das Spritgefäß einer MZ RT 125 mit Werkzeugfach wurde ersteigert, passte aber nicht ohne Veränderungen auf den Rahmen der AWO. Also habe ich einen neuen Tunnel eingeschweißt und gleich noch den Einfüllstutzen versetzt sowie eine Röhre zur Aufnahme vom Tacho eines tschechischen Motorrollers eingebaut.

»Der Zusammenbau ging entspannt von­­statten. Auch der Termin beim TÜV lief problemlos, ich kann meinen Umbau legal fahren«

Damit ist zwar alles etwas eng geworden, aber es passt. Alle Schweißarbeiten habe ich nach alter Sitte mit Acetylen und Sauerstoff selbst durchgeführt. Dem Motor spendierte ich eine neue Kurbelwelle, einen neuen Kolben und Ventile, und auch das Getriebe wurde überholt.

AWO 425 T – Batterie und Zündschloss braucht’s nicht

Den Zündfunken liefert nun eine elektronische Anlage von MZB. So kann ich mir Batterie und Zündschloss sparen – ein Schalter gegen Masse genügt. Der Auspuff stammt von irgendeinem Vorkriegsmotorrad. Ich hab ihn ausgeräumt, wieder zusammengebaut und angepasst.

Ziel beim Aufbau war es allen unnötigen Firlefanz wegzulassen. Nur das Nötigste sollte verbaut werden, Motorrad pur eben. Das ist gelungen. Da die AWO ein Oldtimer ist und keine Leistungsexplosion erwarten lässt, macht sich die leichte Gewichtsreduzierung positiv bemerkbar

Kleinigkeiten wie Sitz, Fußrasten, Seitenständer oder den Lenker habe ich ebenfalls komplett selbst hergestellt. Der Scheinwerfer stammt von einem Traktor, das Rücklicht original von einem IFA F8. Das hatte sich ein Bekannter zur Kontrolllampe für seine Elektrobasteleien umgebaut.

»Schwarz stand nicht zur Debatte, das haben schon zu viele«

Nun darf es wieder an einem Fahrzeug leuchten. Nachdem der Rohbau so weit stand, ging es ans Zerlegen und die Farbgebung. Schwarz stand nicht zur Debatte, das haben schon zu viele. Die Idee mit dem Dunkelblau stammt von meiner Frau und ich bin froh, hier mal auf sie gehört zu haben. 

Der Zusammenbau ging dann sehr entspannt vonstatten. Es machte Spaß zu sehen, wie aus einem Haufen Einzelteile langsam wieder ein Motorrad wurde. Dann endlich die Probefahrt – der Motor lief problemlos, aber das Getriebe machte komische Geräusche.

Kein Problem beim TÜV – »Ich kann meinen Umbau legal bewegen«

Um Zeit zu sparen, habe ich schnell im Internet ein überholtes ersteigert, damit war es gut. Die Fehlersuche kann auch später noch erfolgen. Auch der Termin beim TÜV lief problemlos, ich kann meinen Umbau legal bewegen. Vielen Dank an meine Kumpels Peter und Karsten für ihre Hilfe und Inspirationen.«