Der Dragstyle hat seine Hochphase sicher hinter sich, doch ganz weg ist er zum Glück nicht. Immer wieder bereichern Umbauten mit dem langen Radstand und der tiefen Sitzposition auch heute noch die Szene, finden Kunden Gefallen an dem Stil, der fast ein ganzes Jahrzehnt prägte. Für den erfahrenen Spezialisten Custom-Wolf sind daher Aufträge wie der »Steeldealer« nichts Ungewöhnliches und so erschuf Inhaber Wolfgang Bätz für seinen Kunden einen modernen Dragstyler mit einem außergewöhnlichen Rahmen.

Zugegeben, Custombikes aus der oben genannten Kategorie sieht man kaum noch im Straßenbild. Das einst gehypte Erfolgsmodell ist aus dem Fokus gerückt und durch andere Trends ersetzt worden, die nun die Szene prägen. Trotzdem haben Dragstyler nichts von ihrer Faszination verloren, ist die Fangemeinde treu geblieben. Und wer es sich leisten kann, findet auch heute noch Customschmieden, die solche Wünsche nicht nur umsetzen können, sondern vor allem auch wollen.

Custom-Wolf – Steeldealer, Custombike Magazine
Dragstyle wird oft auch als der deutsche Stil im Customizing bezeichnet, schließlich waren es hiesige Customizer, die ihn weltweit bekannt gemacht hatten

Stefan Voit ist Harley-Fahrer und -Fan. »Für sein Stahlhallenbau-Unternehmen wollte er eine Art Aushängeschild haben, ein Werbeprojekt, das in Verbindung zu seiner Leidenschaft für Stahl steht und das auf Messen gleichzeitig auch die Aufmerksamkeit, besonders des jungen Publikums, anziehen kann«, erklärt Wolfgang die Idee hinter dem Dragstyler, der getreu dem Firmenmotto von Stefan Voit »Steel is my deal« »Steeldealer« getauft wurde. »Bei der Gestaltung hat er mir weitgehend freie Hand gelassen, lediglich der Harley-Motor war Bedingung. Außerdem sollte man tief auf dem Bike sitzen und es sollte einen breiten Hinterreifen haben. Unterm Strich: Er wollte etwas Martialisches. Da landet man schnell beim Dragstyle.«


Bei der Entwicklung des Chassis kommt Penz ins Spiel

Und so macht sich Wolfgang an die Arbeit und zeichnet mit Hand und Stift einen Entwurf, wie der zukünftige »Steeldealer« aussehen könnte. In Anlehnung an die im Hallenbau verwendeten Doppel-T-Stahlträger wird der Unterzug des Rahmens gestaltet – aus Stahl natürlich. Für die Entwicklung des Chassis wendet er sich an Peter Penzenstadler, der nicht nur als Customizer seit über dreißig Jahren aktiv ist, sondern gerade im Fahrwerksbau auch schräge Ideen umsetzen kann. Das betrifft in diesem Fall vor allem den Rahmenunterzug mit seinen zahlreichen Löchern. So ungewöhnlich die Konstruktion, so ungewöhnlich auch die Herstellung. Anstatt zu schweißen und zu bohren, lässt Peter Rahmenober- und -unterzug sowie die Seitenteile der Schwinge aus dem Vollen fräsen.

Auch bei der Herstellung von Tank, Bugspoiler, der gleichzeitig als Öltank dient, sowie integriertem Heckfender arbeiten die beiden Customizer Hand in Hand. Nach Fertigstellung des Chassis beginnt für Wolfgang die Hauptarbeit: das Zusammenfügen und Anpassen der ausgewählten Komponenten. Für das Frontend greift der Custom-Wolf beim italienischen Spezialisten Marzocchi ins Regal und passt eine Upside-down-Gabel vom Typ RAC 50 an. Kein ganz einfaches Unterfangen, denn neben dem Harley-Motor besteht Kunde Stefan auf ein Vorderrad in der für den Dragstyle ungewöhnlichen Dimension 21 Zoll. »Das erforderte ein paar spezielle Anpassungsarbeiten«, räumt Wolfgang ein.


Custom-Wolf – Steeldealer, Custombike Magazine
Klassischer Dragstyle: lang, flach und am Ende ein fetter Pneu

Krasser Anker: Thunderbike-Scheiben mit Brembo-Zangen

Für die Hinterradfederung montiert er ein Luftfederungssystem von Custom Cycle Controls. Eine Pflichtübung bei diesem Stil, denn nur mit heruntergelassenem Heck wirken die Dragstyler im Stand so, wie wir sie kennen und lieben. Das Hinterrad bekommt die breite Dimension von zehneinhalb Zoll, die Felgen liefert Thunderbike, denn die Räder im Vegas-Cut-Design passen hervorragend zum Rahmen.

Dass die neuen 340-mm-Bremsscheiben, die ebenfalls von Thunderbike geliefert werden, ein passendes Fünfspeichendesign haben, ist wohl eher dem Zufall geschuldet. »Absicht war das keine«, so Wolfgang, »aber sie passen fast perfekt.« Über die Brembo-Bremszangen muss nicht viel gesagt werden, außer dass sie fürchterlich zubeißen und mit den 280 Kilogramm, die der Steeldealer auf die Waage bringt, überhaupt keine Probleme haben. Hinten setzt Wolfgang auf eine, für ihn typische, Perimeterbremsscheibe von Buell, die von einem Braking-4-Kolben-Sattel in die Zange genommen wird.


Überhaupt stand Fahrbarkeit ganz oben im Lastenheft, wie Wolfgang betätigt: »Natürlich sollte das Bike fahrbar sein und Zulassung haben, schließlich will Stefan auch fahren und das Motorrad nicht nur auf Ausstellungen oder Messen zeigen. Und das Handling ist wirklich gut geworden.« Als Antrieb kommt ein 103er Twin Cam B von Harley-Davidson zum Einsatz.

Custom-Wolf – Steeldealer, Custombike Magazine
»Dragstyle ist tot, es lebe der Dragstyle«, möchte man rufen, beim Anblick des Steeldealers, dessen Name tatsächlich Programm ist

Ehrensache: Der V2 ist starr mit dem Rahmen verschraubt

»Es kam nur die Version mit den Ausgleichswellen in Frage, da der Motor starr mit dem Rahmen verschraubt ist. Andernfalls hätte ich, wie bei den Dynas, eine schwingend gelagerte Halterung bauen müssen, um die Vibrationen in den Griff zu bekommen.« Die letzte Herausforderung ist die Elektrik, bei der Wolfgang letztlich auf einen originalen Kabelbaum von Harley zurückgreift, was Probleme mit dem CAN-Bus-System vermeidet.

Custom-Wolf – Steeldealer, Custombike Magazine
Das Motogadget-Instrument integrierte der Custom-Wolf geschickt in die Eigenbau-Gabelbrücke

Die Lackierung ist perfekt umgesetzt

Bleibt nur noch die Lackierung, um den Charakter des Stahls zu unterstreichen. »Sicher, man hätte den Stahl der einzelnen Bauteile schleifen, bürsten und mit Klarlack überziehen können. Doch meiner Erfahrung nach führt das im Laufe der Zeit immer zu einem gelblichen Schimmer.« Das martialische Aussehen mit dem rohen Look erzeugt letzten Endes Marko Moschner von Spektacolor aus Chemnitz. »Er hat das alles von Hand gemacht und so die unbehandelten Stahloberflächen imitiert. Auch der Schriftzug und die roten Applikationen und Linierungen sind sein Werk.« Nicht nur Stefan ist mit dem Bike mehr als zufrieden, sondern auch die Besucher, die den Steeldealer inzwischen auf Ausstellungen gesehen haben. Soll noch mal jemand behaupten Dragstyle sei tot …

Info | custom-wolf.de