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Kaum jemand würde ein Custombike aus einer Suzuki V-Strom bauen – nur echte Fukker sind hart genug für sowas und ziehen das Ding gnadenlos durch.

Eines schönen morgens flatterte Post von Uwe, Ralf und Ramon in die Redaktion. Die Jungs wollten einen Fukker bauen und hatten eine amtliche Bewerbung gebastelt. Zwei Dinge gefielen uns daran sofort. Zum einen sollte das Basisbike eine Suzuki V-Strom, also ein biederer Reisetourer, sein. Zum anderen wollten die Herren ihr Team nach einer Biermarke benennen.

Zu unserem Fototermin musste Uwe allein antanzen, Schrauberkollege Ralf weilte leider gerade beruflich im Ausland. Macht nix, Hauptsache das Ergebnis von fünf Monaten Schraubenschlüssel schwingen ist gelungen

Und da man uns mit solch kleinen Verrücktheiten echt bekommt, standen die Chancen für das Team Staufen Edel direkt ziemlich gut. Bier und Motorräder waren schon immer eine unschlagbare Kombi, ganz klar. »So viel haben wir an sich gar nicht getrunken«, erzählt Uwe kurz nach Fertigstellung des Fukkers, »man muss schon weitestgehend nüchtern sein, um sowas ordentlich zu bauen.«

Suzuki V-Strom – Biedere Umbaubasis

Außerdem mussten die Freunde aus dem Raum Göppingen einen klaren Kopf behalten, denn sie kämpften mit unvorhergesehenen Problemen bei ihrem Projekt. Recht schnell dezimierte sich nämlich die Anzahl der Teammember von drei auf zwei, Ramon stieg schon kurz nach dem Startschuss aus. Trotzdem ließ man im Süden der Republik die Sache ruhig angehen, »man könnte auch sagen, wir haben etwas spät angefangen. Der Druck war am Ende echt groß und uns ist einfach die Zeit weggelaufen«, erklärt Uwe.

Noch aufwendiger als es auf den ersten Blick aussieht gestaltete sich der Bau des Holzhöckers. Mittels einer normalen Flex wurden die Formen aus dem vom Schreiner vorbereiteten Holzblock geschnitten

Urlaube, kaputte Autos und andere Zwischenfälle taten ihr Übriges für einen holprigen Volks-Build-Off. Trotzdem, Anfang November vermeldete Team Staufen Edel schließlich »Fukker fertig« – und wir könnten nicht stolzer auf das Ergebnis sein. Von dem langweiligen Tourer Suzuki DL 1000 ist nichts übrig geblieben, außer Motor und Rahmen. Am Motor war nichts zu tun, der lief von Anfang an einwandfrei. Und auch der Rahmen war zumindest teilweise gut zu gebrauchen.

Suzuki V-Strom – Starres Heckteil, selbst gebaut

Zunächst war es vorgesehen, den Rahmen komplett zu erhalten, allerdings sollte der Federweg mit drei Zentimetern extrem kurz werden. Aufgrund der vorgesehenen Gabel vorn ließ sich dieser Wunsch einfach nicht umsetzen. Da aber die V-Strom im Original über ein angeschraubtes Rahmenheck verfügt, kann man dieses sowieso locker abnehmen und in die Tonne treten. Also Planänderung, Ralf und Uwe entschieden sich nun für ein starres Heckteil, das selbst gebaut wurde.

Langweiliger geht’s kaum: Die Suzuki V-Strom ist ein biederer Tourer … eigentlich

Dadurch und durch die kurze Gabel einer Suzuki TL 1000 kommt die Fuhre ein ganzes Stück nach unten. Die weit nach hinten verlegte Fußrastenanlage trägt ihren Teil dazu bei, um das Bike geistig schon auf einer Rennstrecke zu sehen. Bis zu diesem Punkt stimmte der Fukker mit der Zeichnung überein, mit der sich Team Staufen Edel seinerzeit bei uns beworben hatte. Auch eine Lampenmaske war von vornherein vorgesehen, sie entstand wie die Lufthutzen an den Seiten aus Kupfer, in reiner Handarbeit.

Suzuki V-Strom – Holz als Grundmaterial

Nur eines hatte die Zeichnung nicht gesagt, nämlich wie die Tank-Sitzbank-Kombination aussehen würde. Uwe, der für das Design der Suzuki verantwortlich war, grübelte lange über der Aufgabe. Erst als er sich irgendwann entschied »wir nehmen Holz als Grundmaterial«, lief die Sache. Aus Holzblöcken, die vom Schreiner gehobelt, geschliffen und verleimt wurden, schnitt er mit der Flex in vielen Stunden die entsprechenden Formen.

»Man könnte sagen, wir haben etwas spät angefangen. Am Ende lief uns dann die Zeit tatsächlich etwas weg«

So wurde zum einen ein Sitzhöcker gebaut, der am Ende lediglich mit einer Aluplatte abgedeckt wurde. Dazu entstanden zwei Seitenverblendungen, in die der handgefertigte Alutank einfach eingeschoben wurde. Lederriemen über Tank und Sitzbank sind Reminiszenzen an die Cafe Racer-Kultur. Perfektionist Ralf durfte sich in der Zwischenzeit an der Auspuffanlage austoben, baute ein sehr harmonisches Rohrgewirr, dessen Öffnungen zum einen unter der Schwinge, zum anderen oben parallel zur Sitzbank den Ton angeben.

Eigentlich sollten Rahmen und Räder mattschwarz gepulvert werden

Nur eines schafften die Jungs am Schluss aufgrund des Zeitmangels nicht mehr. Eigentlich sollten Rahmen und Räder mattschwarz gepulvert werden. »Dazu hätten wir das Bike nochmal komplett auseinander bauen müssen, die Zeit hatten wir nicht«, erklärt Ralf. Ganz ehrlich, wir finden das gut so, denn die Farbkombination von Silber, Kupfer und Braun ist schon ziemlich sexy. Ob sie sich so eine Nummer nochmal antun würden, fragen wir am Schluss.

Der Eigenbau-Tank mit den auffälligen Rohröffnungen beherbergt nur im vorderen Teil Benzin

»Es gab schon Phasen, da haben wir uns gefragt, was wir hier eigentlich machen. Aber letztlich sind wir relativ schmerzfrei und haben kein Problem damit, mal ’ne Nacht durchzuarbeiten«, erklärt Uwe. »Von daher, ja, wir würden die Nummer nochmal machen.« Lohnt sich ja auch, wenn eine solch krasse Bude dabei rauskommt.

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.