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Remco hatte schon viele Bikes, die kamen und gingen. Eines wird er aber nie hergeben: Seine alte, ölige BSA M20.

Remcos Vater hatte die militante Britin auf einem Schrottplatz gefunden. Dort standen rund dreißig ausgemusterte Army-Bikes in einer Reihe und waren für lausige 100 Gulden pro Stück zu haben. Die technisch auf dem letzten Loch pfeifende BSA M20 restaurierte Remco dann während seiner Armeezeit von Grund auf. Da er aber kein Originalheimer ist, gab er dem Bike seinen eigenen Touch.

Die BSA M20 pfiff technisch auf dem letzten Loch

Alle unnötigen Parts wurden entfernt, was dem Bike zu seinem minimalistischen Bobberstyle verhilft. Für fehlende Teile suchte der Sparfuchs nicht nach Originalersatzteilen, sondern verbaute einfach passende Replacements. So versorgt nun der Dell’Orto-Vergaser aus einer Moto Guzzi V50 den 500er Seitenventiler mit zündfähigem Gemisch. Die Luftversorgung erfolgt über einen Eigenbauluftfilter aus Tupperware-Tasse und Scotch Brite. Sieht lässig aus und funktioniert.

Gibt es eine schönere Art, 80 km/h zu fahren? Wohl kaum, lacht Remco

Das teuerste Teil am ganzen Bike war wohl der Zündmagnet, dessen Überholung seinerzeit allein 700 Gulden verschlungen hat. Nach einigen Jahren harten Einsatzes bereitete der Magneto wieder Probleme. Daher wurde er durch eine Harley-Zündanlage ersetzt. Die arbeitet seither zur vollsten Zufriedenheit des Eigners. Auch der Lenker stammt von Moto Guzzi und tat früher Dienst an einer Florida. Remco kaufte den Mini-Ape auf einem Swap Meet und fand ihn passend. Umwickelt mit Textilband, Griffen aus Kühlwasserschlauch und Armaturen von Amal gibt der hohe Lenker dem Bike einen derben Customlook.

Ein Sammelsurium von Teilen unterschiedlichster Hersteller

Customized ist auch der Lucas-Scheinwerfer, der eine Abdeckung trägt, wie sie die Militärbikes besaßen. Da Lucas in der Szene nicht ganz ohne Grund den Namen »Prince of Darkness« trägt, stammen die Innereien des Headlights von einer Honda CB. Hinten strahlt eine Anhängerleuchte aus den 60ern. So wurde die BSA zu einem Sammelsurium von Teilen unterschiedlichster Hersteller, die dennoch gut harmonieren. Das rechts geschaltete Vierganggetriebe musste Remco aus den Innereien von zwei anderen zusammenbauen. Daran, dass es dennoch ständig Öl verliert, hat er sich inzwischen gewöhnt.

Auch wenn die BSA schon über 70 Jahre auf dem Buckel hat, genügt sie den fahrdynamischen Ansprüchen ihres Besitzers. Er hat sich mit den Jahren an alle Macken der Britin gewöhnt und irgendwann klappt es vielleicht auch, ihr das Kleckern abzugewöhnen

Das Bike markiert bei längeren Pausen sein Revier. Für Remco ist das sogar schon so normal, dass es ihm nicht mal mehr auffällt. Erst als das Getriebe lautstark mitteilte, dass es komplett ohne Schmierung auskommen muss, wurde ihm die Tragweite bewusst. Da hatte er aber noch zehn Kilometer bis nach Hause zu fahren. »Ich bekam die Ölaustrittstelle vorn am Getriebeausgang nicht in den Griff. So habe ich mir eine andere Lösung einfallen lassen. Durch meinen Eigenbau-Seitenständer, den ich auf die Fußraste stecke, kann ich das Bike mit leichter Rechtslage abstellen. Das hilft«, erklärt uns der gewiefte Niederländer.

BSA M20 mit hundescheißebrauner Lackierung

Auch an anderen Stellen fand er ganz spezielle Lösungen. So stammen die Reifen aus dem Speedwaysport. Die Knubbel an den Flanken hat Remco einfach abgeschnitten, da er sein Bike nicht in extremer Schräglage um die Ecken zirkelt. Außerdem sieht die so erzielte Optik klassisch aus. Und dazu passt die (Originalzitat) »hundescheißebraune« Lackierung, die in Eigenleistung aufgetragen wurde. 

 

Floris Velthuis