Artikel speichern

0

Nur mit Ausdauer, Geschick und einem guten Netzwerk gelingt es, einen coolen Chopper auf Basis einer BMW R 50 aufzubauen und dabei kaum mehr als 2.000 Euro auszugeben.

Als Student hat man bekanntlich kaum Kohle. Wenn nicht gerade Papi großzügig das Medizinstudium seines Stammhalters durchsponsert, dann stellt so ein Studentenleben neben Uni-Mensa, Selbstgedrehten und Flohmarkt-Einkäufen kaum luxuriöse Überraschungen bereit.

BMW R 50 – Gute Erfahrungen mit dem Boxer

Auch Kai aus Oldenburg schwelgt nicht gerade im Überfluss. Doch hatte sich der Lehramt-Anwärter in den Kopf gesetzt, ein Bike nach seinen Vorlieben aufzubauen. Weil er mit seiner Alltags-BMW-R-100 beste Erfahrungen gemacht hatte, sollte es wieder ein Bayern-Boxer werden, diesmal allerdings mit dem klassischen Vollschwingenrahmen der Zweizylinder-Modelle zwischen 1955 und 69.

Der Klang macht die Musik, der tiefe Ton aus dem Zubehörschalldämpfer, das Schlürfen aus den Delo-Luftfiltern, das Tickern der Ventile und der tosende Wind bei Geschwindigkeiten, die die alte R 50 früher nie zu erreichen im Stande war. Mit E-Starter, bequemem Federsattel und hoher Zuverlässigkeit ist das klassische Bike zudem fit für den studentischen Alltag – und das muss es auch sein

»Auf jeden Fall sollte es ein richtiger Eigenbau und kein simpler Umbau werden«, definiert Kai seine Vorgaben, »aber halt bezahlbar.« Auf der Veterama gab‘s den passenden Rahmen einer alten Polizei-BMW R 50 zum vernünftigen Preis, nun mussten also die technischen Komponenten her.

Eine R 80 RT diente als preiswerter Teilespender

Als Kai in Holland eine verlebte, aber fahrbereite 1983er R 80 RT zum Schnäppchenpreis ergattern konnte, zerlegte er den Tourer innerhalb eines Tages, räumte Motor, Getriebe, Elektrik und Kardan ins Regal und verkaufte den Rest in Einzelteilen.

Einsam thront der Tacho vor der geraden Lenkstange

»Unterm Strich hat mich die Technik damit nichts gekostet«, jubiliert der Youngster. Die Basis für einen tauglichen BMW-Chopper nach klassischem Vorbild war geschaffen. Der 24-Jährige nahm Kontakt zu Arno, einem alten Hasen der Szene, auf.

BMW R 50 – Ein /7-Kardan für die alte Gummikuh

Der ostfriesische BMW-Kenner stand ihm fortan mit Rat und Tat zur Seite und fertigte auch die spezielle Schwinge, die es ermöglicht, einen /7-Kardan mit dem alten Vollschwingenrahmen zu verbinden.

Ausgedünnt hat Kai auch die Elektrik: Schalter für Zündung, Starter und Licht am Motorgehäuse

Ohne Probleme passte so der 50 PS starke Antrieb samt Fünfganggetriebe in den alten Rahmen. Experimente mit verschiedenen Benzintanks entschied der bekannte Sportster-Behälter für sich, Trommelbrems-Räder einer R 75/5 mit Chromradkappen und Avon-MKII-Bereifung gefielen Kai am besten, außerdem erwarb er eine speziell geformte Anlasserhaube, in die er Zündschloss und Starterknopf versenkte.

BMW R 50 – Bunter Teilemix

Der E-Starter konnte ebenfalls weiterverwendet werden. »Jetzt sieht der Boxer-Motor nicht mehr so kastig aus«, weiß der Student. Viele Anbauteile wie den Seitenständer einer Kawasaki Z 1000 ST, die Schutzblechstreben oder die Krümmer für den Tapered-Schalldämpfer machte Kai selbst passend, andere wie Sattel, Beleuchtung oder Instrumente kaufte er günstig als Neu- oder Gebrauchtteile zu.

»Auf jeden Fall sollte das Bike ein richtiger Eigenbau und kein simpler Umbau werden.«

An der Tanklackierung im traditionellen Lace-Painting versuchte er sich ebenfalls selbst. »Sieht man auch«, flachst der Norddeutsche trocken. Insgesamt hat ihn der Chopper zwar sehr viel Arbeit, noch mehr Geduld, aber kaum mehr als 2000,- Euro gekostet. Das soll dem angehenden Gymnasiallehrer mal einer nachmachen. Auf diese bestandene Prüfung darf Kai zu Recht stolz sein.