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Diese BMW R 50 sieht nicht nur aus wie ein Relikt aus den Siebzigern, der Chopper hat sich seit 1974 kaum verändert.

Es gibt sie noch, diese Bikes, die seit vielen Jahren unverändert die Zeiten überdauert haben. CUSTOMBIKE hat einen BMW R-50-Chopper entdeckt, der schon 1974 exakt so aussah wie noch heute – und der immer noch gefahren wird! Blondie war schon Rocker, als noch kaum jemand wusste, was das überhaupt ist. Nach den ersten Jahren als »U-Bahn-Rocker« kaufte sich der Hamburger Mitte der Sechzigerjahre eine BMW R 51/3.

BMW R 50 – Umbau zum Langgabler schon 1974

»Die gab‘s damals billig«, schüttelt der Blondie den Kopf. »1966 war ich der Erste, der einen kleinen Tank auf seinen Chopper gebaut hat.« Der Rest der überschaubaren Szene stand damals eher auf große Spritbehälter von Heinrich oder Hoske. 1974 kaufte er sich eine BMW R 50 der ersten Serie und startete den Umbau zu einem echten Langgabler. »Teile gab es damals nirgendwo. Ein wenig etwas aus Schweden, den Rest musste man selbst bauen«, erinnert er sich.

Vertrauter Sitzplatz: Seit über 40 Jahren ist der Hamburger mit seiner BMW auf den Straßen unterwegs

Scheinwerfer, Ständer und andere Kleinteile kaufte er bei Harley-Händler Suck: »Ich durfte aber nicht erzählen, dass ich die Teile für einen Chopper brauchte, die hätten mir sonst nichts verkauft.« Der Szenevorreiter erzählt von der rigorosen Ablehnung, den Chopper-Fahrer bei den »Klacks-Fahrern«, den alten Fahrensmännern erfuhren. »Doch als damals Easy Rider in die Kinos kam, habe ich mich richtig geärgert. Wir sind schließlich schon vorher Chopper gefahren.«

Der Peanut-Tank ist an den Rahmen geschweißt

Blondie baute den Rahmen der R 50 um, setzte Bleche ein, glättete mit Hartlot und schweißte einen Peanut-Tank an, den er in Holland gefunden hatte. Er baute eine verlängerte Gabel mit Vorderrad einer Yamaha XS2 in das Fahrgestell (»Die 650er-Yamaha hatte damals die schönste Scheibenbremse«) und montierte hinten eine 500-16-Walze. Auf die Blechkiste im Rahmendreieck angesprochen, winkt Blondie ab: »Da ist alles drin, was ich an einem Chopper nicht sehen will.« 

Unmittelbar vor der Sitzbank informiert ein Ölthermometer über das Wohlbefinden des 1000-ccm-Boxers

In das Fahrgestell setzte der Schrauber zunächst den 750-ccm-Motor einer R 75/5, später den 1000er einer R 100/7 samt gnadenlos abgesägtem Fünfganggetriebe. Sitzbank, Schutzblech, Lenker und Fußrasten feilte er sich selbst zusammen. »Eigentlich wollte ich schon 1975 fahren, aber der Bau des Rahmens hat unglaublich lange gedauert«, erzählt Blondie. Ab 1976 begleitete ihn die R 50 dann durch den Alltag, zu den damals noch wenigen Chopper-Treffen oder zu Kumpels nach Mannheim und Gummersbach.

Der BMW R 50 Chopper spielte im Kinofilm »Rocker« mit

Er unternahm Reisen nach Spanien, zum Ace Cafe, spielte samt BMW im Kinofilm »Rocker« eine Statistenrolle und hat mittlerweile über 100.000 Kilometer im Sattel des Choppers abgeritten. »Damals wollten mir die Jungs vom Kiez die BMW abschwatzen. Dafür hätte ich mir dann locker eine Harley kaufen können«, grinst der gelernte Landschaftsgärtner, »wollte ich aber nicht. Die BMW habe ich schließlich nur für mich gebaut.« Blondie wusste schon damals, dass er seine R 50 nicht mehr hergeben wird. Und so fährt er noch immer mit ihr durch die Gegend, auch Langstrecke. Und eigentlich ist alles fast so wie früher …

 

Dirk Mangartz