Im Auftrag des japanischen BMW-Importeurs hat sich Ken’s Factory an die Neuinterpretation des Sechszylinder-Luxustourers BMW K 1600 GTL gemacht. Das Ergebnis haut einen aus den Socken …

Fred Krugger hat vor ein paar Jahren eine BMW K 1600 als Custombike aufgebaut. Und der Belgier war es auch, der mit seinem sensationellen Einzelstück Weltmeister geworden ist. »Auch wir wollen etwas Neues aus der Sechszylinder-Wumme machen«, sagte sich der japanische BMW-Importeur und nahm einen Meister des Nippon-Bike-Buildings mit ins Boot: Kenji Nagai, Chef von Ken’s Factory aus Nagoya.

Das Ausgangsobjekt: BMW 1600 GTL. Eine denkbar undankbare Basis für’s Customizing

Die enorme Menge an Elektronikkomponenten beschränkt die Freiheit beim Customizing erheblich

Kenji Nagai hat 1990 seine Werkstatt Ken’s Factory in Nagoya eröffnet. Seither produziert er hochwertige Aluminiumteile für Custombikes und baut komplette Motorräder. Neben Preisen in Japan gewann der Perfektionist Shows in den USA sowie in Europa und erlangte so internationale Beachtung. Dazu trägt auch die Eröffnung einer »Zweigstelle« in Long Beach/Kalifornien bei. Mit diesem BMW-Projekt betrat er gewissermaßen Neuland, schraubt er doch gewöhnlich an technisch rustikalerem Milwaukee Iron. Die K 1600 GTL verfügt über eine enorme Menge an Elektronikkomponenten. Dazu zählen ABS, Einspritzanlage, das elektronische Fahrwerk, den adaptiven Scheinwerfer und Komfortschnickschnack wie Sitz- und Griffheizung. All diese Komponenten sind untereinander verbunden und der Motor läuft nicht, wenn irgendein Teil einfach abgeklemmt wird. Das beschränkt die Freiheiten beim Customizing schon erheblich. Doch lassen wir Kenji einfach mal erzählen …


Erste Überlegungen, aus der K 1600 einen opulenten Bagger zu bauen, verwarf Kenji glücklicherweise

Studium des Kabelbaums

»Obwohl ich darauf abonniert bin Harley-Davidsons umzubauen, habe ich ein großes Interesse an allen Marken und an der Technik anderer Motorräder. Daher konnte ich nicht widerstehen, als das Angebot an mich herangetragen wurde, die große BMW K 1600 zu customizen. Beim Aufbau dieser – meiner ersten – BMW merkte ich dann schnell, dass alle meine Theorien zum Thema Customizing nicht ganz stimmten. Dieses Mal musste ich viel mehr denken als arbeiten. Ich musste den Kabelbaum studieren und die Elektronik verstehen. Es ist beinahe so, als hätte ich das nächste Level erreicht.«

Noch fahrbar? Gabel, Räder und Lenkkopfpartie sind komplett umgestaltet

Ein Bagger war mir dann doch zu profan

»Ich habe die serienmäßige K 1600 in Tokio abgeholt und bin mit ihr auf Achse die 300 Kilometer zu meinem Shop nach Nagoya gefahren. Der High-Speed-Komfort war sehr beeindruckend. Vor allem der Sechszylindermotor fasziniert mich. Beim Dreh am Gasgriff geht das riesige Gerät stramm nach vorne. Für jemanden der kraftvolle Triebwerke liebt, ist der Motor ein Traum. Also habe ich erst einmal überlegt, den Tourer-Charakter zu erhalten und das Bike im Bagger-Stil umzubauen. Doch irgendwie war mir das zu profan. Der Umbau musste aufwändiger sein. Ich wollte einen Digger bauen. Mit schlanker, flacher Silhouette und verlängerter, gereckter Gabel. Das würde dem Reihensechszylinder maximale Präsenz geben.«


Flacher Gabelwinkel, langer Radstand, großes 23-Zoll-Vorderrad

Manchmal habe ich mich bei der Arbeit richtig geärgert

»Um meinen Digger-Stil zu erreichen, schnitt ich den Lenkkopf vom Rahmen ab und baute ein neues Rahmenvorderteil. Daran montierte ich eine Girder-Gabel aus meinem Programm und ein 23-Zoll- statt des serienmäßigen 17-Zoll-Rads. Alle Anbauteile hielt ich so simpel wie eben möglich. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Es gab viele Rückschläge. Manchmal habe ich mich beim Arbeiten wirklich geärgert. Richtig Spaß hatte ich an diesem komplizierten Projekt eigentlich erst, als ich das fertige Bike vor mir gesehen habe. Das war schon toll. Am Ende bin ich froh, diese BMW fertiggestellt zu haben. Die Erfahrungen, die ich hierbei gesammelt habe, werden meine zukünftigen Projekte ganz sicher beeinflussen.«

Info | kens-factory.com