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Die BMW K 100 ist nicht gerade das, was man umbaufreundlich nennen könnte. Vor allem der Heckrahmen bereitet Kopfzerbrechen und erfordert tiefgreifende Änderungen, wenn man dem Bike ein eigenständiges Design geben will. Genau die richtige Herausforderung für einen Spezialisten wie den Custom-Wolf

CUSTOMBIKE-SHOW Bad Salzuflen: Es ist Dezember und die Teilnehmer der Bikeshow rollen langsam ein. Darunter auch ein alter Bekannter, der regelmäßig faszinierende Umbauten im Gepäck hat. Auch diesmal enttäuscht der Custom-Wolf nicht, als er seinen BMW-K-100-Umbau auslädt. Zwar tauchen in letzter Zeit vermehrt Umbauten von BMWs erstem Reihenvierzylinder-Motorrad auf, doch von einem Hype, wie er um die Boxermotoren entstand, ist der »Ziegelstein« weit entfernt. Auch für Inhaber Wolfgang Bätz ist dieses Modell Neuland, als Kunde Michl mit der Idee zu einem Umbau an ihn herantritt.

Kaum zu glauben was die BMW im originalen Zustand für ein Riesenbike mit Koffern und Verkleidung war

»Er wohnt nicht weit entfernt von mir, kam spontan vorbei und erzählte von seiner Idee. Er hatte in Italien eine umgebaute BMW gesehen und wollte nun etwas Vergleichbares haben. Erst habe ich gedacht, hoffentlich bloß keinen Boxer, doch dann hat er mir ein Bild gezeigt. Die K 100 war grottenhässlich, wirklich schlimm.« Doch Wolfgang reizt die Idee und er fragt nach dem Budget. »Michl hat mir freie Hand gelassen und kein Limit gesetzt, was ganz gut war.«

Wolfgang fand eine K 100 im originalen Zustand

Bei einem befreundeten Händler findet er eine passende Basis. »Es war eine K 100 RT , ein Riesenbike mit Koffern und Verkleidung, das ich kaum in meinen Transporter bekommen habe. Technisch war es in einem gepflegten Zustand, hatte aber viele optische Mängel. Wenigstens lief es und ließ sich auch gut fahren.«

K&N-Luftfilter mit Eigenbau-Airbox

Nach der ersten Bestandsaufnahme wird die BMW zerlegt. Wolfgang hat schon bestimmte Ideen im Kopf und macht sich nach Rücksprache mit seinem TÜV-Mann an das Abtrennen des Heckrahmens, der Umbauvorhaben meist ausarten oder in Kompromissen untergehen lässt. Da Letztere für Wolfgang nicht in Frage kommen und jedes Bike, das seine Werkstatt verlässt, nicht nur seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden, sondern auch noch über ein eigenständiges Design verfügen muss, konstruiert er einen komplett neuen, schraubbaren Heckrahmen, der Sitzbank und Höcker tragen soll.

Mit Pappe und Stahl zum Custombike

»Mit Hilfe von Pappschablonen habe ich mir dann die nötigen Stahlteile lasern lassen und sie anschließend zusammengefügt.« Von einem fertigen Metallhöcker nimmt er einen Abdruck und formt ein neues Teil aus Glasfaserkunststoff. Die Sitzbank fertigt er erst nach einer Sitzprobe, schließlich soll Kunde Michl sich auf dem Motorrad wohlfühlen und Halt haben.

Vor allem dem Heck widmete Wolfgang viel Zeit

Auch beim Fahrwerk geht Wolfgang seinen eigenen Weg. Während er am Frontend auf Parts einer Benelli TNT 1130 Sport zurückgreift und die Upside-down-Gabel samt Gabelbrücken und Lenkerhalter übernimmt, ist ihm die werksseitige Lösung mit der Einarmschwinge nicht gut genug. Er besorgt sich eine andere aus einer BMW K 1100 und konstruiert eine Cantilever-Anlenkung für das neue Federbein, das er zentral über dem Motor platziert.

Modifizierter Tank und verschlankte Elektrik

Auch am Tank legt er Hand an, verschmälert ihn, dengelt neue Knieschlüsse, verbaut einen selbstgefertigten Tankdeckel und integriert ein Instrument von Motogadget. Knifflig wird es dann bei Motor und Elektrik. »Die Elektrik zu verschlanken ist eine Sache für sich, doch mit Hilfe meines Mitarbeiters Alex haben wir alle Probleme tatsächlich händisch und ohne die sogenannte Brotersatzbox lösen können.«

Die BMW K 100 ist ein kompromissloser Cafe Racer geworden, der mit außergewöhnlichen technischen Lösungen und einer bestechenden Optik überzeugt

Zeitintensiv wird es noch einmal am Motor. »Die K 100 hat eine ziemlich große Airbox. Als Ersatz habe ich ein neues Plenum für Ansaugtrakt und Luftfilter gebaut, was allerdings weitere Änderungen nach sich gezogen hat.« Um den Motor zum Laufen zu bringen, wird eine frei programmierbare Einspritzung installiert. Unterstützung bekommt er von RF-Biketech, die Erfahrung mit so etwas haben.

Anschließend wird die K 100 auf dem Prüftstand von Micron Systems neu abgestimmt. »Wir haben jetzt rund 100 PS am Hinterrad«, berichtet Wolfgang vom Ergebnis. Damit ist einer der außergewöhnlichsten K-100-Cafe-Racer endlich »Ready to roll«.

Info | custom-wolf.de


Der Motor wurde pulverbeschichtet, Schriftzug und Streifen vorher penibelst abgeklebt und anschließend mit einem Skalpell alle Kanten nachbearbeitet