Zeit ist ein wertvolles Gut, doch davon haben professionelle Customizer in der Regel wenig übrig. Trotzdem hat sich Bikebuilder Marcus Walz vorgenommen, endlich mal ein Motorrad für sich zu bauen – so entstand in seinem Walzwerk eine BMW R 80 RT ganz nach seinen Vorstellungen: reduziert, leicht, sportlich.

Es ist Fluch und Segen zugleich. Du lebst deinen Traum, gibst dich deiner Leidenschaft hin, bist kreativ und ständig am Erschaffen von zweirädrigen Skulpturen, die anderen Spaß und Freude bringen. Deine Arbeit erfüllt dich. Trotzdem stellst du am Ende des Tages fest, dass dir etwas fehlt: Das Motorrad, das du schon immer für dich selbst bauen wolltest. Marcus Walz bildet da keine Ausnahme. Nach Jahren im Dunst schwerer Chopper mit fetten Hinterreifen, kann er sich endlich den leichten, agilen Bikes hingeben, die nur eine Maßgabe kennen: totale Performance.

Neuer Lebensabschnitt: WalzWerk-Racing

Ein Segen für einen Racer, der seine Freizeit am liebsten auf der Rennstrecke im Kampf gegen die Elemente und schnelle Gegner verbringt. Mit seiner Manufaktur WalzWerk-Racing hat der Hockenheimer einen neuen Lebensabschnitt eingeläutet und kümmert sich seitdem nur noch um Fahrmaschinen, die ihrem Treiber Erfüllung auf der Straße bringen, nicht im Showroom.


Nach über 20 erfolgreichen Jahren mit Walz Hardcore Cycles baut Marcus Walz heute lieber das, was ihm im Blut liegt. In seinem WalzWerk entstehen heute sportliche Racingbikes
Stolz präsentiert Marcus Walz seinen Shizzo Racer

Zur Entstehung des Beamers meint Marcus: »Also die BMW hatte ich ursprünglich für mich selbst gebaut. Mit ihr wollte ich an einer Rennserie für klassische Motorräder hier in Europa teilnehmen. Entsprechend habe ich das Bike auch konfiguriert und die spezifischen Teile dafür ausgewählt.« Die Basis bildet eine »blitzsaubere« BMW R 80 RT, Baujahr 1987, die er aus erster Hand ersteht – der Besitzer ist Rentner.

Aufbau nach dem Rennserien-Reglement

Gemäß dem Rennserien-Reglement beginnt der Aufbau: zweiteilige Bremscheiben von Brembo vorn, 2-Kolben-Bremssättel sowie 18-Zoll-Felgen sind vorgeschrieben. Kontakt zur Fahrbahn schaffen moderne Gummis von Conti. Die Race Contact Classic sehen zwar alt aus, bieten aber beste Performance und sind nicht mit den abenteuerlichen Pneus aus alten Renntagen vergleichbar. Lediglich fürs Shooting verirren sich die Firestones ans Bike.


BMW Cafe Racer von Marcus Walz
Der Bing-Vergaser mit offenen Luftfilter-Trichtern

Im weiteren Verlauf entrümpelt Marcus den Rahmen, entfernt Überflüssiges und trennt den schweren, serienmäßigen Heckrahmen ab. Ein kurzes, aber vor allem sehr leichtes Heck gibt der BMW den entsprechenden Racing-Look. Vorm Lenkkopf zieht sich eine Carbon-Halbschale elegant um die Gabel und lässt einen Teil des Tanks strömungsgünstig im Windschatten verschwinden. Die Scheibe ist eine Einzelanfertigung, Marcus konnte keine passende auftreiben.  Den Optimierungen für den Rennbetrieb fällt auch die Batterie zum Opfer. Sie wird schwerpunktgünstig unterhalb des Getriebes platziert. Zudem wiegt der Lithium-Ionen-Speicher nur noch luftige 800 Gramm.

Das höhenverstellbare Federbein ist eine Einzelanfertigung

Das alles ist dem Racing-Freak nicht genug. Selbstverständlich müssen auch MotoGP-Parts an den Beamer. Stummellenker von Gilles Tooling und verstellbare Hebel von LSL. Ebenfalls eine Einzelanfertigung ist das höhenverstellbare Federbein, das YSS liefert. Das Wichtigste, das Herzstück eines jeden Motorrads, bildet der Antrieb einer BMW R 100 RS, der mittels Siebenrock-Kit auf 1070 Kubik vergrößert wird. Innereien wie Nockenwelle, Kurbelwelle, Pleuel und Zylinderköpfe lässt er überarbeiten. Die Leistung schätzt Marcus realistisch mit gut über 80 PS ein.


BMW Cafe Racer von Marcus Walz
Für das Carbon-Heckteil entwickelte Marcus einen neuen Heckrahmen, der fast unsichtbar unter dem Carbon verschwindet

Ein Aufwand, der sich lohnt, da die BMW extrem erleichtert wurde und in Verbindung mit dem Boxermotor für sehr gute Fahrleistungen sorgen wird. Vom Original bleiben am Ende nur noch Hauptrahmen, Schwinge, Kardan, Tank und Felgen übrig. Kurz vor Fertigstellung ereilt Marcus schließlich doch noch der Fluch des Schöpfers. Er hat den Beamer mit ans Glemseck genommen.

Am Gelmseck trifft die Shizzo Racer auf seinen neuen Eigentümer

Eine fatale Entscheidung, denn an Europas großem Cafe-Racer-Treffen findet sich die Zielgruppe für solche Umbauten. Und so springt Marcus’ privates Bike auch einem Käufer ins Auge, der es unbedingt haben muss. Der Preis ist ihm egal. Die finale Aufgabe für den Hockenheimer: Servus sagen, noch Scheinwerfer, Rücklicht, Blinker und Kennzeichenhalter montieren. Das war‘s dann.

Info | www.walzwerk-racing.com