Mit dem Bike unterwegs in den bayerischen Waldbuckelwelten oder: Eine Motorradtour durch Transdanubia
Danubia ist der lateinische Ausdruck für die Donau, und entlang des Flusses im Süden Deutschlands eröffnet sich ein Paradies für Motorradfahrer. Runde Hügel, dunkle Wälder, kleine Felder und schmucke Dörfer zeichnen das Landschaftsbild nordöstlich der Donau zwischen Regensburg und Passau. Die darin verschlungenen Asphaltbänder bieten für Biker jede Menge Schräglage und Kurvenspaß und die Donau-Metropölchen, mit ihren engen, mittelalterlichen Gassen laden zum abendlichen Kulturbummel.
Längst kein Geheimtipp
Diese Kombination zieht immer mehr Besucher der Spezies Homo-Motorradensis in den bayerischen Osten, dass es sogar an manchen Tagen in bestimmten Ecken, zu einer Überpopulation kommt. Besonders der Große Arbersee scheint diese Art anzuziehen, wie der Honig die Wespen. Weite Areale sind jedoch selbst bei Kaiserwetter dem eigenem Rudel vorbehalten.

In der Antike war für die Römer an der Donau Endstation und bis ins Mittelalter wagten sich nur wenige in diese raue, düstere und unheimliche Gegend. Es waren hauptsächlich Mönche, die Wege und Rodungsinseln anlegten. Holzhungrige Glashütten fraßen sich ab dem 15. Jahrhundert immer tiefer in den Urwald und legten den Grundstein für eine weitere Urbanisierung.
Eine eigene Gattung
Es fällt schwer, sich auf einem Hightech-Gerät wie dem Motorrad, im sanften Auf und Ab der gewundenen Straßen durch hügelige Landschaft, die Mühsal des Lebens der früheren Waldbevölkerung vorzustellen. Die harten Lebensbedingungen und das raue Klima prägten die Menschen und ließen eine eigene Gattung, den »Waidler«, entstehen. In ihr scheint sich der Volkscharakter der Bayern zu potenzieren.

Obwohl die bayerischen Hillbillies längst im digitalen Zeitalter angekommen sind, hat sich die dunkle Waldregion etwas von ihrer Ursprünglichkeit erhalten. Tradition und Brauchtum werden hoch gehalten, Altes wird bewahrt. So schlummert in einigen Garagen und Scheunen noch manch kostbare Rarität der motorisierten Zweiradgeschichte.
Zündapp und andere Kuriositäten
Wie bei Willi Schmid in Kollnburg. Im Anbau seines Hauses betreibt er ein kleines Privatmuseum. Neben den über 50 Zündapp-Modellen sind noch alte BMW, NSU und andere Kuriositäten zu besichtigen.

Ein Custombike der besonderen Art ist sein selbst gezimmertes Gespann. Der Rahmen, das Boot und sogar die Räder sind komplett aus Holz. Gut 100 Kilometer südöstlich, in Pullman City, wähnt man sich in einer ganz anderen Welt. Hollywoodreif ist die Kulisse der Mainstreet in der Westernstadt, mit Bars, Hotel, Barbier, Sheriff-Office, Gefängnis und Stores, in denen alle möglichen und unmöglichen Western-Accessoires angeboten werden.
Pullman City und das Elefantentreffen
Ansonsten sind auf dem 200.000 Quadratmeter großen Areal noch Fort, Tipis, Goldgräbercamp, Blockhütten und ein indianisches Erdhaus. Alljährlich geht auf dem Gelände eine heiße Harley-Stampede über die Bühne. Nur einige Kilometer weiter versammeln sich, immer am letzten Wochenende im Januar, eine beachtliche Anzahl von ganz hart gesottenen Bikern.

Ein Talkessel bei Loh ist Austragungsort des legendären Elefantentreffens, das der BVDM gefühlt schon ewig veranstaltet. Für gemütliches Kurvenkratzen ist der Sommer aber allemal die bessere Jahreszeit, zumal die traumhafte Gegend dafür jede Menge Gelegenheit bietet. Für Ausflüge ins Böhmische fallen seit Neuestem – da Tschechien nun zum Schengen-Raum gehört – die beim Motorradfahren ja besonders lästigen Ausweiskontrollen an der Grenze weg.
Böhmische Dörfer
Und so ein Abstecher lohnt nicht nur wegen des günstigeren Benzin- und Bierpreises. Doch über die berühmten Böhmischen Dörfer und ein noch weitgehend unentdecktes Motorradparadies berichten wir sicher ein andermal.










