AWO 425 S – Wir machen alles

Diese Simson AWO 425 Sport ist ein echter Hingucker. Er verzückt West wie Ost und zeigt perfekt, was auf der unscheinbaren Basis geht

»Simson? What the hell is this?«, bei einigen ausländischen Besuchern herrscht einige Uneinigkeit, als sie auf einer Show an einem Motorrad hängenbleiben. Gut sieht die Karre aus, edel und durchgestylt, fast als wäre sie frisch vom Zeichenbrett gesprungen. Die designlastigen unter den anwesenden Customizern loben in höchsten Tönen das Werk des Ungarn mit den deutschen Wurzeln: Zsolt Müller.

Kleines Rücklicht mit Tarnschlitzen, sauber eingepasste Lampenverkleidung

Der wiederum freut sich diebisch über seinen Coup und erklärt geduldig jedem, was eine Simson ist. Ein ostdeutsches Urgestein des Motorradbaus aus den 50ern. In dieser Phase der Firmengeschichte wurde auch sein Objekt der Begierde gebaut: die AWO 425 S.

Eine AWO mit Gespür für Ästhetik

S steht für Sport und orientiert sich am großen Westkonkurrenten BMW. Zsolt Müller dagegen orientiert sich an gar nichts und verlässt sich beim Umbau seiner AWO auf seine eigenen Hände Arbeit, ein unglaubliches Geschick in der Bearbeitung von Metall sowie ein feines Gespür für Ästhetik. Technisch ist sein Einzylinder eh kaum zu toppen.

Tank mit Flosse

Abgesehen von den Rädern stammen alle Teile aus Zsolts Laden in Kaposvár. Dort, wo er im Alltag an allen Arten von Motorrädern und Rollern schraubt, entsteht für die AWO ein eigener Rahmen mit starrem Heck. Neben der klassischen Langschwingen-Gabel setzt der Deutsch-Ungar am Frontend auf eine einzigartige Radaufhängung.

Formen aus dem Laserstrahl

Aus vier Millimeter dicken Edelstahlplatten schnitt Zsolt die Formen per Laserstrahl heraus. Dann bog, dengelte, polierte er, schweißte T-Stücke und Aufnahmen an. Den kleinen Lenker behielt Zsolt bei, die Unterrohre des Rahmens sind gleichzeitig so breit gezogen, dass sie als Verkleidung dienen.

Die Abgase strömen in einen klitzekleinen Auspufftopf. Die Sitzhöcker-Fender-Kombi ist fest mit der Schwinge verschweißt. Den verboten kurzen Stummellenker bog der Schrauber so, dass sich auch die Lampenmaske nahtlos in das Gesamtkonzept einfügt.

Die ebenfalls hauseigene Fassung erinnert in ihrer Form fast ein wenig an den Kopf eines Alien-Monsters, wäre sie nicht ebenso schlicht matt lackiert wie der Rest des Bikes. Mit dem nach unten geneigten Lenker und den nach hinten verlegten Fußrasten ist auch die Haltungsfrage auf dem Bike geklärt. Flach geduckt, nach vorne gestreckt.

Cafe Racer? Bobber? Kutsche? Surreal, fast wie gemalt wirkt der matt lackierte ungarische AWO-Umbau

Fast dragstermäßig, wären nicht die großen 16-Zöller mit den dicken Firestones, die dann doch wieder eine Bobberrichtung vorgeben. Oder doch Café Racer? Egal wie, Zsolts Simson ist ein unglaubliches Einzelstück, das letztlich auch die Riege der Experten auf der Europameisterschaft entzückt.

Anzeige
DM 1/26

Warum nicht mal eine Awo?

Für die obercoole Handarbeit gibt es auf oben genannter Bikeshow einen bemerkenswerten sechsten Platz in der »Freestyle«-Wertung. Und damit die Abfuhr an alle Umbauer, die glauben, nur ein großvolumiger V-Twin taugt zum Kracher. Zsolt sieht’s eh entspannt. »Wir machen alles«, sagt er. »Warum sollten wir uns nicht auch eine Simson vornehmen?«

„Mein Vater und mein Großvater waren Schmiede. Ich kann also mit Metall umgehen“

Anzeige
CB 1/26



Technische Daten
Modell Simson AWO 425 S
Baujahr 1960

Motor
Typ Einzylinder-Viertaktmotor, ohv-Zweiventiler
Hubraum 248 ccm
Bohrung x Hub 68 x 68 mm
Auspuff Mücechoppers Titan
Getriebe Viergang, Handschaltung
Sekundärtrieb Kardan
Leistung 15,5 PS bei 6800/min
Drehmoment 21 Nm bei 5000/min
Vmax 110 km/h
Fahrwerk
Rahmen Mücechoppers Doppelschleifen-Rahmen
Gabel Schwinge Mücechoppers
Räder vorn und hinten 5.00-16“
Bremsen hinten Trommel
Zubehör
Lenker Mücechoppers
Tank Mücechoppers
Sitzbank Mücechoppers
Fußrasten Mücechoppers
Lackierung Hucker Airbrush
Leergewicht 170 kg
Radstand 1480 mm

Beitrag veröffentlicht

in

von

Fotos: Horst Rösler
Fotos sind urheberrechtlich geschützt

Kommentare

13 Antworten zu „AWO 425 S – Wir machen alles“

  1. Avatar von Ralf Christian
    Ralf Christian

    WOW….eine wahnsinnige Umsetzung von (N)OSTALGIE pur und zugleich MODERNE

    1. Avatar von Wastelbiker
      Wastelbiker

      Höchsten Respekt vor dieser Handwerkskunst und der kreativen Umsetzung.

  2. Avatar von Volker
    Volker

    7 Sterne +!!! Was für ein Hammer Teil. Gratulation für diese Arbeit.

  3. Avatar von Bernd Kirchhöfer
    Bernd Kirchhöfer

    Eine geile Maschine und starker Umbau aber wo bekommt man die ?

    1. Avatar von Martin
      Martin

      Ich habe mir eine AWO S original Bj. 59 aufgebaut. So ein umgebautes Teil ist zwar schön anzusehen und dem Tuner hat es Spaß gemacht. Eine Strassenzulassung wäre aber bei uns nicht möglich. Wollen wir uns eine AWO heute betrachten, sehe ich die Maschine als Kulturgut, welches als solches erhalten bleiben sollte.

  4. Avatar von Mike Meinhold
    Mike Meinhold

    👍👍 Der blanke Wahnsinn einen solchen Umbau sich einfallen zu lassen. Das Teil wäre genau meine Kragenweite.

  5. Avatar von Schäble
    Schäble

    Ein ganz schickes Teil, würde ich gerne kaufen.

  6. Avatar von Schnabel
    Schnabel

    Eine wunderschöne Arbeit, da ich selbst eine fahre

  7. Avatar von Ralf Scheeler
    Ralf Scheeler

    echt Geiles Teil fahre 425 -T Drehstomlichmaschiene lange mz gabel mit scheibenbremse, einlass 38 mm, Hinterrad auf 4.00 x18 eingespeicht Sitzbank direkt auf dem Rahmen Heck hochgezogen
    gruß ralle

  8. Avatar von Markus Toth
    Markus Toth

    Atila währe stolz auf sie👍

  9. Avatar von Hartmut Hübner
    Hartmut Hübner

    Tolle Ideen, unzählige Stunden von Arbeit und Liebe zum Detail… Dann kommt so etwas dabei heraus. Da zieht man seinen Hut ganz tief.

    Köszenöm Szepen Zsolt.

  10. Avatar von Martin
    Martin

    Ich habe mir eine AWO S original Bj. 59 aufgebaut. So ein umgebautes Teil ist zwar schön anzusehen und dem Tuner hat es Spaß gemacht. Eine Strassenzulassung wäre aber bei uns nicht möglich. Wollen wir uns eine AWO heute betrachten, sehe ich die Maschine als Kulturgut, welches als solches erhalten bleiben sollte.

  11. Avatar von Fronti
    Fronti

    Sehr schön, viel Arbeit und viel Zeit für so ein Motorrad investiert. Die Originale sind bei uns in Mitteldeutschland allen Awofans bestens bekannt und fahren wir auch selbst. Es geht auch mal anders vom absoluten Original mal abweichend und trotzdem schick und edel, sowohl von dezent bis extrem. Es ist alles Geschmackssache und trotzdem immer wieder interessant was technisch heutzutage möglich ist. Viele „restaurierte“ AWO’s sieht man sich immer wieder sehr gern an, manche aber auch nur ein einziges Mal…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

13
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x