Die HotRod- und Customshow in Yokohama ist eine feste Größe in der Customszene. Doch woher bezieht die Show ihre Faszination?
Eigentlich passt in Yokohama – nüchtern betrachtet – nicht viel zusammen, um ein erfolgreiches Event zu veranstalten. Rund um den Veranstaltungsort, das Pacifico in Downtown Yokohama, ist nicht viel geboten, die Show findet an einem Sonntag statt, dauert exakt sieben Stunden, die Stände bestehen zu weiten Teilen aus Biertischen, liebevolle Deko leisten sich in Japan bei weitem nicht alle Aussteller.
Querelen mit den Anwohnern
Außerdem gibt es seit Jahren Querelen mit der Stadt und den Anwohnern, die irgendwie so gar keinen Bock auf die Customshow zu haben scheinen. Jedes Jahr bemüht sich Mooneyes als Veranstalter schon Monate im Voraus, das jeweilige Motto des Jahres auf Aufkleber zu drucken, die weltweit publikumsträchtig von Szenegrößen in die Kamera gehalten werden. Schon vor Jahren lautete das Motto »Be calm, not loud« (sei ruhig, nicht laut), was sich auf zahlreiche Beschwerden über Lärmbelästigungen während der Show bezog.

Auch den Satz »Save the Yokohama HotRod- and Customshow« hatten wir schon – er zeigt deutlich, wie hart die Problematik mit den Behörden vor Ort ist. Und jedes Jahr wird aufs Neue gemunkelt, dass wohl dieses Jahr nun wirklich das letzte Mal im Pacifico veranstaltet wird. Aber vielleicht ist auch alles Kalkül und ein gewiefter Veranstalter macht Wind im Vorfeld, um mehr Zuschauer zu generieren. Denn hey, wenn was zum letzten Mal stattfindet, da wollen doch alle dabei sein.
Custombikes auf höchstem Niveau in Yokohama
Und so machen sich jedes Jahr auch ein paar Europäer auf, nach Japan zu fliegen, wo es am Ende hauptsächlich um Sehen und Gesehen werden und ums bloße Dabeisein geht, denn Motorräder oder Autos aus europäischen Manufakturen, die suchen wir in Yokohama meist vergeblich. Was aber der Qualität der Show, so fair muss man sein, nicht den geringsten Abbruch tut. Die Elite der japanischen Bike- und Carbuilder ist nämlich am Start. Und die zeigt erfahrungsgemäß mal so richtig, wo der Hammer hängt.

Motorräder bauen, das können sie hier, ohne Frage. Dass die Bikes nicht immer hundertprozentig unseren Geschmack treffen, damit können wir gut leben, denn in Yokohama geht es um mehr als das. Die Perfektion von Technik und Bodyworks ist zum Teil schlicht atemberaubend. Und während wir hier oft lamentieren, dass man das Rad nicht neu erfinden kann, so schaffen es etablierte Bikebuilder wie Cherry’s Company, Asterisk, Heiwa oder Hide Motorcycles genauso wie jedes Jahr diverse Newcomer, dem Thema Custom immer wieder neue Aspekte abzuringen.
Immer neue Customizer
Für uns gibt es so immer wieder neue Customizer, die unsere Aufmerksamkeit wecken. Dazu beobachten wir, wie auch schon auf anderen großen Shows weltweit, die neue Präsenz von Serienherstellern. Harley-Davidson, Indian und Royal Enfield zählen zu den festen Sponsoren, nur die japanischen Hersteller findet man hier verrückterweise nicht.

Die suchen ihren Customgral schon immer verstärkt in Europa oder den USA. Abgesehen davon, von der japanischen Szene allein kann Yokohama sowieso nicht bestehen.
Viele Besucher aus den USA
Viele der 15000 Besucher kommen, um die Stars aus den USA, vornehmlich aus Kalifornien, zu sehen. Und so lädt Mooneyes-Eigner Shige Suganuma immer Customizer und ihre Karren aus den Staaten ein, um seine Show noch exklusiver zu machen. Viele davon sind in ihrer Heimat Customizer, die sich mehr schlecht als recht über Wasser halten. In Yokohama dagegen werden sie gefeiert.

Zwischen der Pre-Show-Party und Karaoke singen am Vortag der Show bis zum abschließenden Burger im Mooneyes-Cafe werden die Jungs hofiert und gepampert, ihre Bikes bewundert, ihr Merchandise ihnen aus den Händen gerissen. Nicht nur weil sie coole Chopper bauen, sondern auch weil sie eben aus Kalifornien kommen, dem Fahrzeug-Wunderland für die meisten japanischen Szenegänger. So erzählte uns mal ein schwedischer Bikebuilder, der wirklich tolle Oldschool-Parts baut, von seinem Stand in Yokohama.
Yokohama – Jedes Jahr der gleiche Ablauf
Die Besucher aus Japan waren durchaus sehr interessiert an seinen qualitativ hochwertigen Parts, nahmen sie in die Hand, bewunderten sie – und stellten dann in regelmäßiger Reihenfolge die Frage: »Do you come from Southern California?« Der Gefragte antwortete wahrheitsgemäß, »No, I am from Sweden.« Teile hatte er an diesem Sonntag nur wenige verkauft. Und gemäß der großen Aufmerksamkeit für die amerikanischen Bike- und Carbuilder folgt auch die Mooneyes-Show jedes Jahr dem gleichen Prozedere.

Morgens stellen sich die Customizer mit ihren Motorrädern vor der Halle auf. Eine erste Gelegenheit für ausgewählte Fotografen, ein paar gute Bilder zu erhaschen. Der große Pulk an Presse- und Privatleuten steht zu diesem Zeitpunkt schon in der Halle, mit allem bewaffnet, was einen Auslöser hat, gruppiert um eine Rampe, die von außen nach innen führt. Und dann der große Moment. Die eingeladenen Bikes fahren unter Blitzlichtgewitter in die Halle ein, umjubelt und gefeiert. Es gibt ein kurzes Gespräch mit dem Moderator am Ende der Einfahrt, der Customizer wird dem Publikum vorgestellt, klatschen, jubeln und der nächste.
Strammer Zeitplan
Nach der Präsentation der Fahrzeuge und Customizer darf dann jeder an seinen Stand und die Show beginnt. Bis nachmittags um fünf haben Besucher nun Zeit, über 600 Motorräder und etwa 300 Autos zu bewundern, sowie sich mit Merchandise einzudecken. Ein strammes Programm, typisch japanisch irgendwie. Immerhin schauen sich Europa-Touristen aus Asien ja auch Deutschland gern mal in drei Tagen an.

Und so sehen wir beim Blick von oben auf die Halle nur noch ein buntes Gewusel aus Menschen und Fahrzeugen. Genauso schnell wie er gekommen ist, ist der Ameisenhaufen am Abend auch wieder verschwunden. Yokohama ist und bleibt ein Wahnsinn, den man sich zumindest einmal antun sollte. Am 7. Dezember wird es bunt im Pacifico in Yokohama – zumindest für einen Tag.
Info | yokohamahotrodcustomshow.com





Schreibe einen Kommentar