Als preiswertes Basismaterial für Budget-Cafe Racer-Umbauten eignen sich ehemalige Polizeimotorräder perfekt – wie diese Moto Guzzi V 65
Eigentlich wollte ich mir irgendwann mal eine Laverda SFC kaufen, klärt uns Sabine über ihre motorisierten Vorlieben auf. »Aber das bleibt vorerst für meinen Geldbeutel ein unerschwingliches Unternehmen.« Als der sympathischen Selbstschrauberin dann auf der Technorama in Ulm eine Moto Guzzi V 65 der italienischen Polizei auffiel, war es um sie geschehen.
Schnell geplanter Umbau
Schließlich kommt die kompakte V2-Maschine auch aus Norditalien, und es müsste sich doch etwas daraus machen lassen. »Beim dritten Vorbeigehen, der Verkäufer war sichtlich nicht mehr ganz nüchtern, hab‘ ich spaßeshalber nach seinem untersten Limit gefragt. Er fragte, was sie mir denn wert sei?

Meine Antwort war lapidar und unüberlegt: 700 Euronen. Und was soll ich sagen, der Typ hat sich darauf eingelassen.« Anschließend haben Sabine und Schrauberfreund Rainer auf der Messe direkt noch ein paar Teile für den schnell geplanten Umbau der Guzzi eingekauft und die Guzzi auf dem Hänger nach Hause geschafft.
Moto Guzzi V 65 – Vom Behördenkrad zum Sportbike
Heck, Lichtmaschinen-Abdeckung, Marzocchis und ein kleiner Tank waren somit also für den geplanten Cafe-Racer-Umbau bereits vorhanden. »Ich wollte beeindruckende Elemente wie Lace-Painting, Graffiti, Rock’n’Roll und all die Sachen darin vereint haben«, beschreibt Sabine die Vorgaben. Mit der Lackierung begann dann auch der Umbau des Behörden-Krads zum klassischen Sportbike.

Für Sabine musste es dringend ein Glimmerlack in unterschiedlichen Blautönen werden. Mit Hilfe einer auf dem Speicher georteten Gardine fertigte die Schwäbin ein grafisches Lace-Painting an: »Sieht ein bisschen aus wie Siemens-Landhausküche«. Anschließend ergänzte sie das Ergebnis mit Graffiti-Elementen und Schriftzügen, die Rainers Sohn Laszlo entworfen hatte.
Und noch eine Spur Suzuki
Rahmen und Motor erhielten eine schwarze Einfärbung. Den Heckrahmen kürzte Sabine um ein paar Zentimeter, damit das Imola-Heck angebracht werden konnte. Durch das Umsiedeln der Batterie ins Heck wurde das Rahmendreieck komplett freigelegt.

Für die Kontrollleuchten konstruierte die Hobbybastlerin einen kleinen Aluminiumblock, den sie mit 3-mm-LEDs versah und verkabelte. »Für die Motorentlüftung haben wir eine Fahrrad-Getränkeflasche aus Edelstahl umgebaut. Da es im Sanitärbereich in Silber keine gebogenen Anschlüsse gibt, habe ich Anschlüsse für Bierleitungen in Getränkeschankanlagen verbastelt«, grinst Sabine.
Bitte keine Stummel
Gemeinsam mit Rainer eliminierte sie das Guzzi-typische Integralbremssystem, bei dem eine vordere Bremsscheibe gemeinsam mit der hinteren Scheibe verzögert wird. Stahlflexleitungen und eine vordere Bremspumpe einer Suzuki GSX-R wurden für den Umbau notwendig. Ein alter BMW-Lenker fand sich im eigenen Teile-Regal: »Für Stummellenker war ich noch nie zu begeistern, so sehr mir die Dinger auch gefallen.

Meine Handgelenke machen diese Position nicht allzu lange mit.« Was fehlte jetzt noch? Auspufftüten und Lenkerendspiegel fanden sich beim Glemseck101 auf der Leonberger Solitude.
Fußrasten nach hinten
Der elend lange Seitenständer der Polizeimaschine entfiel durch den Austausch der kompletten, schraubbaren Rahmenunterzüge gegen solche von einer sportlichen Moto Guzzi V 65 Lario. Nach ein paar Modifikationen ließen sich daran auch die zurückverlegten Tarrozzi-Fußrasten unterbringen. Sabine kürzte noch das vordere Schutzblech und ersetzte Rücklicht, Blinker und Kennzeichenhalter.

Insgesamt hat sie der Umbau rund 850,- Euro gekostet, die Anschaffung des Bikes von 700,- Piepen und die neuen Continental-Reifen nicht mitgerechnet.
Die Idee mit den Bohnen
Nun musste noch eine Lösung für den Tacho gefunden werden, weil das Original-Cockpit nicht die Gnade der Besitzerin fand. Dazu Sabine: »Ich weiß nicht mehr wie, aber irgendwie hatte ich abends beim Schrauben die Idee mit den Espresso-Bohnen und dem Gießharz. Ich besorgte 200 Gramm vom guten Segafredo Espresso Casa und legte los.« Na, passt doch.


















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